INSTITUT für TRAININGSOPTIMIERUNG

 

Die Kolumne

FotoKatrin Schumann startete im November 2008 als Gewinnerin eines Gewinnspiels der Braunschweiger Zeitung bei unserem Projekt "Von 0 auf 42 - Mein erster Marathon". In dieser Saison nimmt sie als fortgeschrittene Läuferin am Projekt "Von 5 bis 42" teil. Das Ziel: ein Halbmarathon.
Diese Kolumne erschien in der Saison 2009 in die Braunschweiger Zeitung und wird an dieser Stelle fortgesetzt.


Zwei nasse Füße für Aschenbrödel (27.01.2012)

Womit auch die Frage beantwortet ist: Ja läuft denn die alte Renn-Schnecke noch? Und alle zusammen: Ja, sie läuft noch, sie läuft noch!
Und das Laufen lockert doch immer wieder auf. Schüttelt wie die weißen Flöckchen, die mich heute begleiteten, die Gedanken wild und bunt durcheinander.
Während sich der Schnee an meinen Lauf-Fersen festklumpte (schön klebrig, heute Nachmittag steht der Schneemann vor dem Haus!), musste ich an die große Filmproduktionsmaschinerie Hollywood denken. Die nehmen ja gerne mal Ideen und Filme aus dem guten alten Europa, schwächen die Witze ab oder die schicksalhaften Endungen und kleben ihren Kommerzstempel drauf. Zum Beispiel geschehen bei "Vanilla Sky" oder "Drei Männer und ein Baby", oder auch "Nine Months".

Aber wie wäre es denn mal mit dem hübschen Aschenbrödel? Dem Märchenklassiker aus Tschechien (in Koproduktion mit der Defa). Ein Remake wird sich sicher gut vermarkten lassen, denn alle Welt kennt ja diesen Film. Aschenbrödel reloaded - die Fortsetzung. Aschenbrödel mit kurzen roten Haaren. Die Verliebheit ist verflogen. Der Prinz benimmt sich immer noch albern und tollt im Schnee herum. Und Aschenbrödel joggt nun jeden Morgen kilometerweit durch den Wald um dem Stress mit der Schwiegermutter im Schloss zu entkommen. Denn Aschenbrödels Pferd Nikolaus hat leider eine misteriöse Hufkrankheit. Jeden Tag schon morgens tobt der Prinz mit der Armbrust los und lässt seine Angetraute zurück. Dann schleicht sich die immer noch attraktive blonde Königin heran. Sie will mit allen Mitteln erreichen, dass ihr Gemahl endlich den Thron an seinen Sohn weitergibt. Jeden Tag sagt sie "Aschenbrödel, du musst endlich deine Pflichten als Ehefrau ergreifen und deinen Mann zur Vernunft bringen. Er muss den Thron besteigen. Ich will endlich mit meinem Mann auf Weltreise gehen!" Genervt zieht Aschenbrödel ihre Laufschuhe, besucht ihren treuen Nikolaus im Stall, er ist der einzige, der immer zu ihr halten wird. Leider sind seine Hufe immer noch sehr stark entzündet. So trabt sie los durch den winterweißen Wald und genießt die Ruhe. Möglicherweise outet sich der Prinz und Aschenbrödel verliebt sich in den Tierpsychologen, der ihren Nikolaus endlich rettet!
Achtung! Szene: Verschneiter weißer Winterwald, Drehort könnte auch der Katzenberg-Wald bei Didderse sein. Eine hübsche rothaarige, junggebliebene 36-Jährige joggt durch den Wald. Musik: Lalala lalala la lalaa...
Nächste Szene: Der immer noch agile Prinz hüpft durch den Schnee und macht mit seinen ebenfalls angegrauten Adels-Gespielen alberne Rollenspiele.
Wer könnte den Prinzen spielen? Ben Stiller vielleicht. Glenn Close die Königin, Dustin Hoffman den König. Und das Aschenbrödel: Falls ich selber während der Dreharbeiten keine Zeit haben sollte, dann ist vielleicht auch Kate Winslet möglich oder Cate Blanchet.
Das hat zwar alles nichts mit Puls, Kilometerzahl und Intervalldauer zu tun. Aber ich muss sagen: ich hatte einen superschönen Ein-Stunden-Lauf und habe die apres-weihnachtliche Stimmung sehr genossen. Und egal welche Kapriolen die Gedanken auch immer beim Laufen schlagen, es ist einfach schön und absolut entspannend!!

Den Feind zum Freund machen (6.12.2011)

Klingt ja nicht gerade lustig. Aber wenn es um einen ganz bestimmten Feind geht, diesen mit den Borsten und der Schweinenase, dann ist es gar nicht mal so schlimm. Ich weiß, der innere Schweinehund ist nicht neu. In Hera Lind Romanen wurde er schon vor Jahren sogar in belletristischer Form beschrieben. Aber gestern - übrigens an meinem Geburtstag - erzählte ich gerade von meinem Morgenlauf. Ich hatte nicht neben dem Telefon gewartet, "vielleicht ruft ja jemand an, um zu gratulieren". Nein, ich war zuerst raus gegangen um zu laufen. Neben dem Telefon warten, dafür bin ich auch nicht mehr im richtigen Alter. Und es war so schön: Richtung Wald unter dem grauen Himmel begann es, dann strahlte die Sonne. Und als ich in meine Straße einbog, glänzte mein kleines Häuschen in gleißendem, hellem Licht.

Dann hatte das Telefon doch noch geklingelt und da hörte ich es nach langer Zeit wieder. "Du warst schon laufen? Da musstest du aber den Schweinehund besiegen." - "Nein," dachte ich, "ich habe mich mit meinem Schweinehund angefreundet." Weil ich mich auf das Laufen freue, weil ich Lust habe zu laufen, weil es mich entspannt und ich dabei abschalten kann. Und weil ich mir im Moment keine Gedanken mache über Pulsuhr, km-Zahl, Geschwindigkeit, Luftdruck, Planetenkonstellation oder Biorhythmus.
Irgendwie findet das der Schweinehund auch gut, weil er leichtfüßig Treppen mit hoch rennt ohne danach zu schnaufen, weil die Hosen nicht drücken, weil einfach alles bequemer ist. Und dann fällt das, was uns beiden ohnehin schon Spaß macht, auch im wahrsten Sinne des Wortes "leichter."
Obwohl es so viele Dinge gibt, in den zahlreichen Katalogen, die uns gerade jetzt in den Postkasten flattern. Dinge, die den Schweinehund so richtig dick und schwach und faul und so richtig schön kontraproduktiv machen können. Verstellbare Fernsehsessel, die per Fernbedienung die komplett entspannende TV-Haltung einstellen, natürlich nur mit Getränkehalter, den dazu passenden Klapptisch, auf dem der Schweinehund sein Lasagne-Tiefkühlgericht vertilgen kann. Oder auch schön um sich seinen eigenen Feind groß zu züchten sind beheizbare Schuhsohlen oder Gummistiefel mit Fitnessprofil.
Ist das was für uns?
Nein, zum Glück nicht, wir testen vor dem Fernseher den Unterarmstütz, (wie lange schaffe ich es mit nur einem Arm und einem Bein?), essen am gemütlichen Esstisch etwas Gekochtes und heizen unsere Füße durch Bewegung an. Und dann höre ich gar kein Geschimpfe und Gemecker von diesem Borstentier, sondern irgendwie nur Gutes und bemerke gar keinen Schweinehund der das alles sabotiert. Er klatscht begeistert, wenn ich draußen an den rauschenden Bäumen vorbeijogge. Und hat vor Freude - oder von der knackigen frischen Luft - rote Wangen.

Aber mal ganz unter uns, ganz ehrlich - gibt es diesen Schweinehund vielleicht in Wirklichkeit gar nicht? Und es war nur die Angst davor, dass es doch auch einfach Spaß machen könnte sich endlich zu bewegen? Die Angst davor, dass es dann keine Ausrede mehr gibt, weil ich mich schon darauf freue raus zu gehen und zu laufen?
Freundet Euch doch einfach richtig dicke mit Euch selber an und habt eine schöne Adventszeit!

Gesund leben - damit es läuft (21.10.2011)

Und wieder bin ich gelaufen. Eine schöne Strecke durch den Wald und am Feld entlang an einem unsagbar sonnigen, klaren, frischen Oktobertag. Und ich habe während des Laufs an jemanden gedacht, ich habe diesen Lauf sozusagen dieser einen besonderen Person gewidmet. Und zwar der Tante meines Mannes. Conny ist letzten Freitagabend gestorben. Sie war 59 Jahre alt. Und sie hatte Lungenkrebs. Einen dieser Sorte, die im Körper streuen.
Dieses Ungetüm hatte am Ende Metastasen im Gehirn gebildet. Bei dieser selbstbewussten, temperamentvollen, eigenständigen und emanzipierten Frau. Dieser Frau, die auf der ganzen Welt Vorträge gehalten, Mode selbst entworfen und geschneidert, die wirklich ihren eigenen Weg gegangen ist. Nachdem der Krebs ihr den Atem nahm, drückte er auf ihr Sprachzentrum. Dieser redegewandten, erfolgreichen Frau blieben die Worte weg.

Als ich sie vor zehn Jahren kennen lernte, erzählte sie gerade, dass sie schon wieder fünf Kilo zugenommen habe. Weil sie mit dem Rauchen aufgehört habe. "Ich fange wieder an mit dem Rauchen." Und das tat sie dann auch. Genoss jeden Zug.

Und wie reagierte sie, als die Diagnose kam? Sie lief und lief, sie joggte Runde um Runde. Und heimste viel Lob bei den Ärzten und Krankenschwestern ein, die sie während der Chemotherapie betreuten.
Sie bot dem Krebs die Stirn und behauptete sich, so wie sie es immer getan hatte. Sie hatte das Leben geliebt, den Genuss. Doch es lief leider nicht mehr so gut. Sie schaffte es nicht. Am Ende hatte sie Schwierigkeiten zu sprechen, durfte nicht mehr nach draußen. Sollte nach Hause kommen. Die Schulmedizin war am Ende. Und Conny auch.

Ich lief im Sonnenschein und dachte an sie. Und freute mich, dass es bei mir so gut lief. Aber mit ihr ist es zu Ende. Trotzdem werde ich weiter machen. Gesund leben, laufen und an sie denken. Vielleicht ist sie in der Nähe und begleitet meinen Lauf.

Laufen ohne Grenzen (24.06.2011)

"Sagen Sie mal, kenne ich Sie nicht? Waren Sie wirklich noch nie hier?" Nein, war ich nicht. Ich wusste ja nicht mal, dass es so eine Art Facharzt auch gibt, einen Angiologen. Der Fachmann und Auskenner in allem, was von Blut durchflossen wird. Und dieser Arzt in flotter weißer Hose und ebensolchem Hemd kannte mich also? Ja, klar. "Vielleicht haben Sie mich in der Zeitung gesehen?" - Ja, natürlich, mit Sicherheit, das sagen doch alle.

"Ich habe da mal diese Marathon-Kolumne geschrieben." - "Ach ja, das kann sein. - Ja, machen Sie einen Marathonkurs?" - Stille. Der war gut! Nein, ich pausiere gerade. Nein, ich bereite mich zurzeit nicht auf einen Marathon vor. Sie vielleicht? Nein, ach, Sie auch nicht! Na, da haben wir doch was gemeinsam. Und sonst? Wie sieht es in meinen Beinen aus, wenn dieser altbekannte Ultraschall-Schieber auf meinen Waden Schlittschuh fährt? Interessant sieht es aus, auch das stetige Pochen des Blutes und Pulsschlages in den Venen. Wie es in Sachen Diagnose aussieht? Gut. Alles in Ordnung. Wir haben ein paar bestimmte Laufpositionen nachgeahmt mit dem Fuß, aber der Blutfluss strömt ungehindert durch den Unterschenkel. So ungehindert wie ich bald auch durch das Braunschweiger Dickicht strömen, oder eher laufen werde? Das wäre doch schön.
Es gibt aber auch die Möglichkeit, dass BEIM LAUFEN durch bestimmte Muskelbewegungen Blutbahnen ab- oder zugeklemmt werden, der Blutstrom nicht mehr frei fließt, und dann tut es auch weh. Dann sollte ich noch mal direkt in die Arztpraxis hineinjoggen und dann sogleich meine Waden auf dem weißen Höckerchen darlegen.

Das wäre also noch eine Möglichkeit, warum es so oft schon nach 10 Minuten wehgetan hat. Aber ich zweifle wirklich an meinem Verstand. Ich habe mir das ja nicht eingebildet, dass mit dem "Aua, ich kann nicht mehr laufen. Ich mach sonst was kaputt. Nein, es geht wirklich nicht!" Nachdem ich die typisch klassisch schulmedizinischen Weihen als Kunde durchlaufen habe, darüber hinaus auch kontinuierlich meinen Wolfsburger Chiropraktor konsultiert habe, wären jetzt nur noch folgende Methoden zu befolgen:
Die Ohrkerze, die Reflex-Therapie, die Schüssler-Salze, Urschrei-Therapie, Bachblüten-Einnahme, oder aber ich ziehe einen Medizinmann der Aboriginie zu Rate. Dann müsste ich ja eine Reise nach "Down Under" auf mich nehmen. Und dann sitze ich stundenlang im Flieger. Mit meinen Waden. Das ist doch wahrlich nicht das richtige für die. Vielleicht bestelle ich mir lieber einfach ein paar schöne, schlanke, schwarze Thrombose-Strümpfe und versuche es damit noch mal.

Ehrlich, ich freu mich ja auch: Kein Fersensporn, keine Muskelverhärtung, die alte Sportverletzung ist auch per Ultraschall nicht mehr zu sehen, und, was wissen wir seit dem Besuch in der Angiologen-Praxis: die Venen sind in Ordnung. Es ist also alles gut. Wahrscheinlich liegt es einfach nur an den Insekten. Ich hörte mal diesen Spruch: Wenn irgendwo auf der Welt ein Schmetterling mit seinen Flügeln schlägt, löst er irgendwo anders einen Wirbelsturm aus. Sicherlich hat sich irgendwo auf der Welt ein Regenwurm seinen kleinen Zeh verknackst, und deshalb tut manchmal meine Wade weh. Ich werde mich revanchieren bei meiner nächsten Session der Gartenarbeit.
Und donnerstags werde ich mich wieder einreihen, in die Formationen der tapferen, bunt gekleideten Recken, die nach ihrem Trainingspensum rot schwitzend und glücklich ins Ziel kommen.

Die Stille ist da - oder: Bewegung ohne Gedanken (18.05.2011)

Ein fröhlicher Ausflug in ein Wolfsburger Schwimmbad mit all meinen Kindern. Klar, das Wellenbad war da, das kleine Pipi-Planschbecken, die klebrigen Käsenudeln im Angebot und das Außenbecken. Da entdeckte ich in einem Durchgang hinter all diesem Erlebnis-Spaß: Bahnenabsperrbänder im hellblauen, unbewegten Wasser. Und nicht nur zwei, auf den ersten Blick sah ich mehr als fünf Startblöcke. Juchuh! Ein Sportbecken!! Mit richtigen Bahnen zum Kilometerzählen. Nanu, die Bahn hörte ja gar nicht auf! Nein! Fünfzig-Meter-Becken! Wo gibt es das heute noch, in meinem kleinen alltäglichen Dorfbad nicht. Reicht ja normalerweise auch völlig aus.
Diese endlose Weite, dieses lange, lange Becken lockte mich an! Früher - vor der Abrissbirne - in den frühen Achtzigern gab es in meiner Heimatstadt ein Freibad mit Fünfmetersprungturm und fünfzig Meter langem Becken! Da lohnte es sich noch richtig einen schönen trockenen gesundheitlich natürlich nicht unbedenklichen Trocken-Köpper in der Sommerwärme zu machen! "Köpper" ist wohl ein etwas norddeutscher Ausdruck, aber ich bin nun mal in Schleswig-Holstein groß geworden.

Nun aber - in den unendlichen Weiten der niedersächsischen Tiefebene und vor diesem schönen Becken hieß es, eintauchen, kurz schütteln und schon mal warm schwimmen. Ja, ja, die liebe Gewohnheit: Ich musste mich doch einige Bahnen daran gewöhnen, dass nach 25 Metern keine Wand kam, aber dann genoss ich doch diese Größe. Leider nervte da jedoch noch die Stimme im Kopf. Diese unendlichen Gedanken die mich meistens stören:

  • Was denken denn die da hinten über meinen Schwimmstil?
  • Ich glaube, ich muss mich noch mehr strecken!
  • Hat mich da eben einer überholt?
  • Ich werde ja wohl schneller sein als meine Nachbarin, die sich ihre Haare nicht nass machen will.
  • Doppelt so lange Bahnen wie sonst? Pah, ist doch gar kein Problem. Keuch!
  • Bewundert vielleicht jemand meine Ausdauer?
  • Möglicherweise werde ich noch entdeckt!
  • Meine Mutter wäre stolz auf mich, so wie ich hier meine Bahnen ziehe. Sie war schließlich schleswig-holsteinische Landesmeisterin.

An einem anderen Tag war ich im gleichen Bad - und nach der Lektüre eines Buches, in dem es heißt, diese "innere Stimme" sei nicht das eigene Ich, sondern die Ermahnungen von anderen Menschen, die man sich oft schon in der Kindheit habe anhören müssen. Man solle diese innere Stimme verscheuchen. So gewönne man eine ganz andere Lebensqualität. Weniger Gedanken und mehr Gefühl. Das versuche ich seitdem zu beherzigen. Und es war ein völlig anderes und sehr angenehmes Erlebnis. Körperlich tat ich das gleiche. Ich schwamm dreißig Bahnen. Doch jetzt nahm ich nur das Wasser wahr, das Geräusch unter Wasser, wenn sich der Körper durch die Wellen pflügt. Hörte auf meinen Atem. Ausatmen ins Wasser und Einatmen im kurzen Moment über der Wasseroberfläche. Stetig und scheinbar unendlich.
"Die anderen" waren meist die ganze Zeit ausgeblendet. Und es stellte sich ein leises Glücksgefühl ein. Danach war ich nicht nur körperlich zufrieden sondern auch geistig ausgeruht und froh. Das lässt sich doch auch auf das Laufen übertragen: Achte auf den Wind in deinem Gesicht, das Geräusch deiner Schritte, schalte die Stimme im Inneren und die Berieselung im Ohr ab und genieße!

Unser Lied - oder: Die Stimme aus der Tiefe (15.04.2011)

Gerade habe ich Zahlen und Zahlen geschrieben. Langweilige private Buchführung. Das hat so gar nichts Sportliches. Höchstens für meine Synapsen!
Und um mich nun bei dieser sehr unangenehmen und trockenen Arbeit etwas zu erheitern und motivieren habe ich mal wieder zu dem kleinen, alten MP3 Player gegriffen. Und dann kam es: Es war nicht nur "Unser Lied", das war "Unser kompletter Lauf-Soundtrack". Die Musik, zu der mein Schweinehund und ich manchmal das Laufen genossen hatten. Und ich habe diesen Soundtrack nun im Sitzen gehört! Ich saß am Computer! Und ich laufe doch momentan so gar nicht! Weder bei der Buchführung noch sonst!
Das bedeutet, dass ich oft eine Stunde auf dem Cross-Trainer "hüpfe", und ein bis zweimal in der Woche 1,5 km schwimme. Auch die Inline-Skates kommen wieder zum Einsatz.

Und dann hat es mich doch fast umgehauen. Wie es immer so ist mit diesen bestimmten Liedern, ich hatte sofort die "alten Bilder" vor Augen: Glühende Felder in der Sonne, winddurchpustete Bäume, schnurgerade Straßen, menschenleer. Und auch mein Körper erinnerte sich an dieses stetige Springen, Aufkommen, Abstoßen, an das Laufen. Laufen draußen im Wind, auf der Straße, in der Sonne. Schön! Und jetzt höre ich diese Musik wieder!

Nichtsdestotrotz: Es ist nie ganz vorbei mit dem Training. Es ist nie ganz Pause. Solange ich mich in irgendeiner Form bewegen kann, mache ich das auch. Ich laufe nicht, also rolle ich, oder "gleite" auf den elliptischen Bewegungen des Cross-Trainers. Ich laufe nicht, also erkunde ich Evolutionshistorisches und schwimme. Um mir den Lauf-Entzug zu erleichtern "schwitze" ich im Schwimmbad. Letztens passierte etwas Eigenartiges: Bei der 58. und 59. Bahn spürte ich so einen Drang in das Wasser hinein, so als würden sich meine Lungen daran zurückerinnern, dass mal Wasser durch sie hindurch geflossen war. Denn nicht nur in grauer Vorzeit lebten unsere Vorfahren in den Meeren, auch ich war mal so vor ca. 30 Jahren (ungefährer Wert) ein kleines Wesen, das im Wasser planschte und atmete.
Bei diesem abgedrehten sekunden-kurzen Gefühl "Hey, bleib hier, unter Wasser, komm ins blaue Tief, du brauchst doch nicht wieder aufzutauchen", erschrak ich dann aber doch etwas. In der Laufpause ist es also manchmal nicht mehr weit bis zur Schwimm-Obsession.
Wenn ich dann noch so einen super-coolen MP3-Player für "unter Wasser" hätte, das wäre es doch. Dann würde ich neue Lieder draufspielen, einen neuen Soundtrack für "uns", den inneren Schweinehund und mich!

Wenn Laufen etwas verändern könnte (16.03.2011)

Dann würde ich sofort meine Laufschuhe anziehen. Stattdessen danke ich - welcher höheren Macht auch immer - dafür, dass ich gesund bin, ein schönes Zuhause habe und mit meiner Familie zufrieden zusammenleben kann. Das ist schon soviel. Die allgegenwärtigen Medienberichte regen mich zum Nachdenken an. Ich finde es so aberwitzig meinen Körper stählen zu wollen. Was ist Sport denn außer dem puren Luxus? Viele Menschen in Japan haben ihre Heimat verloren, ihre Erinnerungsstücke und all ihre Habseligkeiten sind weggeschwemmt worden oder im Schlamm erstickt. Und in diesem Haufen Elend, Schutt und Chaos verbeugen sie sich, sind korrekt und zurückhaltend. Das finde ich bewundernswert und ich habe allen Respekt. Für die Frau, die mit den Helfern auf den Trümmerhaufen steht und gerade die Suche nach ihren Lieben aufgegeben hat. Sie verbeugt sich und die Helfer verbeugen sich. Und als ob das noch nicht ausreichen würde, bedroht sie die radioaktive Strahlung. Die Trümmer, der Schutt, die Nachbeben. Das alles kann man sehen und es ist unfassbar und schlimm genug. Mehr als ein Mensch ertragen kann. Aber die Strahlen aus dem Atomkraftwerk, direkt ungebremst aus den Brennstäben kommend, sind unsichtbar und riechen auch nicht. Wenn die Erde mal einen Moment aufgehört hat zu beben, das Meer im Meer bleibt, dann bleiben die zerstörten Städte und Dörfer und die unsichtbare Gefahr der radioaktiven Strahlen, die sich in die Körper der Menschen und in den Boden brennen. Wenn ich viele tausend Kilometer laufen könnte - bis Japan -, so würde ich doch vor Angst stehen bleiben oder umdrehen. Vielleicht ist es gut, wenn wir Sport treiben und laufen. Weil wir das unglaubliche Glück haben es zu können und weil wir durch unsere Anständigkeit und unsere Zufriedenheit wenigstens unseren Respekt ausdrücken können. Denen gegenüber, denen es gar nicht gut geht. Und die bis zur tödlichen Gewissheit so tapfer und diszipliniert wirken. Und die jederzeit dem anderen gegenüber Respekt zeigen. Und sei es dem Katastrophenhelfer gegenüber, der ihnen sagt, dass sie die Hoffnung auf ein Überleben ihrer Familien aufgeben sollen. Wenn ich das nächste Mal die Laufschuhe anziehe, oder die Inlineskates, oder auf den Crosstrainer gehe, oder ins Schwimmbecken steige, dann versuche ich an dieses fast endlose Durchhaltevermögen und diese Tapferkeit zu denken. Und ich verneige mich davor.

Das richtige Benehmen als Läufer (21.01.2011)

Einen Schritt vor den anderen, das klappt jetzt wieder. Aber was soll ich zum Beispiel sagen, wenn all meine motivierten Kollegen ankündigen, dass sie bald in Hannover laufen wollen und da und dort. Und vielleicht sogar in Berlin (Halbmarathon). Und was soll ich antworten, wenn sie mich fragen: "Wo läufst du denn?" oder gar "Was sind denn deine Pläne?" Ganz schlimm wurde es, als ein Läufer aus meiner Gruppe meinte: "Mensch, Katrin! Du bist doch auch noch nicht Marathon gelaufen. Dann könnten wir doch zusammen laufen!" Ja, da fällt die Antwort nicht leicht. Ist ja auch schön und beachtlich solch ein Ziel zu haben. Aber ich bin froh, dass ich gesund bin und laufe. Es geht aber auch noch schlimmer als meine Gruppen-Kollegen. Zwei Menschen aus meinem sehr nahen und näheren Umfeld wollen es mal so richtig wissen und die verdammt schmutzigen 18 Kilometer des Strongmanruns bewältigen. Denen reichen das normale Laufen einfach so geradeaus und die klassischen Wettkämpfe wohl nicht mehr. Was soll ich dazu sagen? Glück wünschen ist bestimmt angebracht. Oder einfach das Thema wechseln und sagen "Ist auch wieder ganz schön kalt geworden, nicht?"
Wie sind die Knigge-Bestimmungen eigentlich beim Laufsport? Oder treten die vielleicht möglicherweise außer Kraft sobald Erwachsene und sogar gebildete Menschen im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte bonbonfarbene, hautenge Shirts und Hosen tragen, ohne sich zu schämen. Um dann gemeinsam mit anderen, die auch so drauf sind, Verenkungen auf bunten Bällen zu machen und im Dunkeln Fangen zu spielen, aber ohne jemals jemanden zu fangen. Ja, wahrscheinlich ist hier ein Stadium erreicht, in dem die üblichen Knigge-Regeln nicht mehr gelten. Es muss also ein eigenes Läufer-Benimm-Regelwerk her. Wäre doch mal ein interessantes Buchprojekt für unseren Lieblingstrainer. Vielleicht auch mit internationalen Tipps, wie zum Beispiel: "Was macht ein indischer Jogger, wenn ich ihm begegne und die Hand zum Gruß hebe?" Aber zurück zur Oker, und dem Gebiet, in dem wir damals vor dem Winter immer um den Ölper See gelaufen waren. Dort, wo wir uns jede Woche treffen und genießen, dass wir nicht allein sind im unseren Tun. Wenn mich mal wieder ein anderer Läufer fragt, was ich so als Ziel habe in diesem Jahr: Dann werde ich einfach höflich lächeln und ein bisschen kichern, um Zeit zu schinden. Falls ich gerade neben dem Fragenden laufe versuche ich, neben der Sauerstoffversorgung für meine emsig pumpenden Lungen ein paar Moleküle Richtung Stimmbänder zu quetschen. Um dann zu sagen: "Ich laufe, um zu laufen."

Der Sturm und ich (13.12.2010)

Spinning hin, Spinning her, der richtige Sport findet draußen statt. Mein Fahrrad stand so lange geduldig im Carport und wartete eingekreist von Schneeflöckchen Weißröckchen. Heute ist zumindest vorübergehend die weiße Pracht entschwunden und dazwischen glänzt wieder der dunkelgraue Asphalt und lädt ein. Zu wohltemperierten Fahrten mit dem Kfz zum Fitnesscenter? Nein, zum Fahrradfahren natürlich. Es regnet und weht, die nassen Tropfen prasseln von der Seite. Das richtige Wetter also für die erste kleine Fahrt seit Wochen. Ich gebe zu, erst überlegte ich, ob ich nicht das Auto nehmen sollte. Doch nein! "Dann werde ich eben nass, macht doch nichts!" rief ich und sprang schwungvoll in Hosen, Fleecejacke und die (Achtung: Schwitzgefahr) Regenjacke. Nach einigen Hopsern an fest gematschten Schnee-eis-resten vorbei, schwang ich mich aufs Rad. Schööön! Rotwangig und warm gestrampelt besorgte ich als Familienmanagerin und Gesundheitsberaterin essentielle Dinge für meine Kinder und mich: Geschenke im Spielwarenladen für die zahlreichen Einladungen meiner Tochter, Wind und Wettercreme für selbige Dame und Wasserfilter für leckeres Krahneberger (sagt man in NRW) oder Leitungswasser (sagt man bestimmt in Hannover). Als ich wieder auf die Landstraße einbog wusste ich sofort, dass ich gerade Sport machte. Trotz des Mini-Shoppings. Denn Landstraßen haben unausweichlich die Eigenschaft am Rande von Feldern zu liegen. Der Wind breitet sich ungehemmt vehement aus. Die Lüfte bäumen sich stürmisch auf. Und diese ganze Windorgie kam mir genau entgegen. Also, genauer gesagt fuhr ich gegen den Wind. Und dieses Gefühl "Wehe, du lässt eine Hand vom Lenker, dann wirst du sofort in den Graben geschmissen!" ließ mich an sportliche Ertüchtigung nicht nur denken. Zu diesem Gefühl direkt in einen Windkanal hinein zu fahren mit leichter Sprinklerzugabe, Regentropfen die völlig entfesselt um mich herum klatschten, kam dann plötzlich wieder dieses Grinsen in meinem Gesicht. Und das wäre ohne den Sturm, das Wasser von überall und das wütende Strampeln in die Pedalen, um überhaupt fahren zu können, nicht da gewesen. Der Körper musste sich also endlich mal wieder etwas anstrengen, innen wärmen, weil es draußen kalt und sehr windig war. Meine Ohren fingen nach kurzer Zeit an zu glühen wie der Zigarettenanzünder im Auto, ich schwitzte unter beiden Jacken und fror an den Beinen. Und dieses Wohlgefühl im schweißtreibenden Zwiegespräch mit Wind und Wetter kann man eben nur draußen haben. Mal ganz davon abgesehen, dass man seinen Körper abhärten kann. Und das ist gerade jetzt so wichtig, denn die Viren und Bakterien sind nicht wählerisch, wenn sie sich einen neuen Wirt suchen. Nachdem ich tagelang auf meinem Cross-Trainer virtuell unterwegs gewesen war, freue ich mich jetzt auf richtigen - also DRAUSSEN Sport. Und dann werde ich auch wieder in meine Laufschuhe springen. Schönen Advent!

Jeder Weg führt ans Ziel (28.10.2010)

Mein neues Vorbild ist - oh Wunder - ein Fußballer. Und zwar ein Fußballer, der nicht nur mit dem Ball umgehen konnte, sondern der einfach professionell, fair und sehr sportlich im besten Sinn mit seinem eigenen Körper umgegangen ist. Und deshalb kaum mit Verletzungspech - wie man so schön sagt - zu kämpfen hatte.
Trotz der neunzehn anderen Spieler auf dem Feld, trotz 90-minütiger Hochleistung (oder mehr), trotz Tempo- und Richtungswechseln, Zweikämpfen mit gegnerischen Spielern. Trotz täglichem Training. Das fiel mir gerade jetzt wieder ein. Ich pausiere konsequent für sechs Wochen und möchte dann wieder mit dem Laufen anfangen. Ich möchte es dann endlich richtig machen, und dieser Fußballer - so verrückt es klingt - könnte eine Inspiration sein. Manfred Binz trabte als Abwehrchef in den 90er Jahren mit Uwe Bein und Andreas Möller für Eintracht Frankfurt über den Rasen. Doch Eintracht hin oder her, darauf kommt es mir gar nicht mehr an. Obwohl ich damals sogar ein Originaltrikot besaß - ich gebe es zu, sogar mit Möllers Rücken-Nummer.
Mir geht es um etwas ganz anderes. Manfred Binz hat etwas ganz richtig gemacht. Er war - zumindest als Bundesliga Profi - (nahezu) nie verletzt. Ich hingegen schon. Ich als Feld-, Wald- und Wiesensportlerin habe mich zu sehr auf den gefühlten Triumph bei Wettkämpfen, das Geklatsche und den Adrenalinkick konzentriert. Auch der Trainingsplan schien mir etwas zu diktieren. Und erlaubte kaum Pausen. Habe ich zumindest gedacht.
Was kann ich jetzt tun? Auf meinen Körper hören und mich auf das ausreichende Aufwärmen und vorsichtige aber stetige Dehnen zu konzentrieren.
Neben dem Lauftraining, dem Training auf Gymnastikmatte und -ball muss ich mich ganz auf meinen Körper konzentrieren. Der damalige Frankfurter Libero Binz hat dies ständig perfektioniert. Auf seinen Körper gehört, alle Fasern, Sehnen, Muskeln, Knochen gedehnt, gestärkt. Wenn die anderen Kicker schon Feierabend machten und die Trainingsklamotten in den Wäschesack geschmissen hatten, war Manni noch lange nicht zu Hause. Er dehnte, streckte, trainierte. Also heißt mein neues Ziel: Verletzungsfrei laufen. Kein Halbmarathon, kein Marathon ist am Ende meines Weges zu sehen, sondern ein regelmäßiges Lauftraining. Und dazu brauche ich die Professionalität dieses Herrn Fußballers aus Frankfurt (die dieser in den 90er Jahren bewies) und viel Geduld. Und auch wenn man am Wegesrand pausieren kann, geht es danach immer weiter. Und dann heißt es: schnür die Schuh und wärm dich auf.

Die Ausdauer ist vorhanden - oder: Wer zuerst am Gipfelkreuz ist, muss warten (19.08.2010)

Ausgleichssport ist das A und O des Trainings. Das habe ich mir auch mal richtig zu Herzen genommen. Und den Trainingsplan und die Laufschuhe eingemottet (vorübergehend natürlich). Denn es hatte ja neulich bei diesem Aqua-Total Lauf um den Ölper See so komisch in der Wade geschnippt und dann wehgetan, auch beim Gehen. Gemildert hatte es Trainer und Physiotherapeut noch mit dieser "Aua, das tut so sau weh, wenn der mir mit fiesem Druck noch über den Muskel fährt" -Behandlung. Das Ausgleichstraining im Süden Deutschlands hatten wir, ein Freund, mein Mann und ich schon lange angestrebt. Und deshalb musste ich sehen, dass wenigstens das Gehen, oder das Wandern klappte, ohne dass die Wade meckerte. Und das tat sie dann auch nicht beim Test-Gang auf den Harzer Brocken. Sie war schön ruhig und der Gang ging gut. So verließ ich denn die hiesigen Pfade und fuhr ins schöne Garmisch. Verregnet und diesig und gar nicht mal so warm war das Wetter letzten Freitag. Trotzdem bepackten wir die große Papiertasche im mondänen Expertengeschäft mit Klettersteigset, Helmen, Eispickeln und Steigeisen. Und zwar denen mit den zwölf Zacken. Immer und erbarmungslos vor Augen stand die Randkluft, der Übergang zwischen dem Höllental-Gletscher und dem Klettersteig auf dem Weg zum Gipfel. Dieses Nichts, das der Kletterer oder Bergsteiger beherzt hinüber zum Felsen springend überwinden musste. Mitten in der Nacht stand ich dann schon mal auf, da ich dachte es sei schon vier Uhr - unsere Aufstehzeit. "Sch... es ist erst zwei!" nach diesen Worten schlief ich dann doch noch mal. Und endlich, zwischen zwei Schlucken Heißgetränk und von der kurzen Nacht völlig entkräftetem Abstützen auf der Tischplatte packte ich meinen Rucksack und die Jungs und ich zogen in der stockfinsteren Dunkelheit, die Hammersbach um 5 Uhr morgens noch umhüllte, unter dem sternenklaren Nachthimmel los - mit der Stirnlampe am Helm unseres Freundes.

Es tropfte in der Höllentalklamm, auf der Höllental-Angerhütte dudelte Shakin Stevens aus den Lautsprechern, es war auch inzwischen taghell, und vor den kleinen Schmankerln "Brett" und "Leiter" stauten sich die Bergwanderer und klickten sich fleißig an das Sicherheitsstahlseil. Glücklicherweise hatte es noch ein wenig geschneit, so dass die Randkluft als Kluft noch da, aber von reichlich Schnee bedeckt war und wir also nicht beherzt springen mussten. Schwitzend und strahlend kletterten wir dann immer näher dem Gipfel entgegen. Und im gleißenden Sonnenschein war ich wirklich da. Neben mehreren sich eifrig fotografierenden Menschen, die allesamt irgendwie sportlich gekleidet und auch von nicht allzu breiter Statur waren ("zu denen gehöre ich jetzt??"), schob ich mich zum goldenen vor dem strahlend blauen Himmel glänzenden Gipfelkreuz der Zugspitze durch und berührte es ehrfürchtig. Ich musste noch lange auf die beiden Männer warten.

Uns bleibt immer noch Wolfsburg (19.08.2010)

Schau nach unten auf das kleine Stück, das direkt vor deinen Füßen liegt. Ja, das habe ich getan, ich habe meinen Blick und meine Konzentration auf das nahe liegende fokussiert. Und dann bin ich wieder gelaufen. Das ist an sich nichts Aufsehen erregendes, auch wenn ich dies im Beisein meiner altbekannten Turbo-Renn-Schnecke Christa getan habe. (Ich darf sie so nennen, dieser Titel ist eine Auszeichnung und wird nur nach einem durchlaufenden und durchlittenen kompletten Marathon verliehen). Es war mal wieder ein kleiner Anfang, und was habe ich gezetert: "Ich habe Angst, ich kann nicht, ich will nicht!" Aber dann, weil ich eben nicht alleine war, und die anderen beim Training heute nach einigen verzagten Geh-Schritten dann doch auch mal so ganz langsam ins Laufen verfallen sind, lief ich eben auch. Voll ausgestattet mit dem typischen riesigen paranoiden Ohr, das immer ganz genau auf jede feinste Puls- und Gehwegerschütterung hört und den geneigten Läufer vor jedem ach so winzig kleinen Steinchen und jeder minimalen Unebenheit warnt. Irgendwann war dieses riesige Ohr dann aber einfach zugequatscht. Leider ließ dann - ob der Unterhaltung mit meiner Laufnachbarin - die flott dynamische im 90 Grad Winkel eingerastete hurtige Armtechnik zu wünschen übrig. Aber das war mir beinahe egal. Hauptsache ich bin wieder dabei. Ja, ich trainiere wieder. Nach einer 14-tägigen Pause. Ja, ich hatte eine Fußballerverletzung, cool, oder? Im Andenken an die WM schlenzte ich einen Ball lässig mit dem Innenrist durch die Beine meines Gegners. Und: der Ball ging ins Tor, ich gewann sogar das kleine Spiel auf dem Rasen im Garten. Aber leider musste ich mich dann erst mal schonen. Und so wird es nun nichts mit Wolfsburg. Aber: ich laufe wieder. Den Halbmarathon behalte ich trotzdem in diesem Jahr noch als Ziel. Denn wenn ich nun vorsichtig den Blick hebe, von dem kleinen Stück das direkt vor mir liegt, dann sehe ich da ganz hinten die Türme von Magdeburg. Und vielleicht, wenn alles gut geht, meinen ersten Halbmarathon. Toi!! Und dann, ja, eines fernen schönen Tages im leichten Dunst über dem Werk in dieser niedersächsischen Stadt mit den Schornsteinen wird es dann vielleicht noch wahr. Ein schöner entspannter Wettlauf in Wolfsburg. Uns bleibt immer noch Wolfsburg.

Der heißeste Tag des Jahres (04.07.2010)

Hoffentlich bleibt es auch der heißeste, womöglich sollen wir in diesem Jahr noch die 40 Grad Marke knacken? Dann bitte ohne mich. Dann muss ich doch noch mein Haus nachträglich unterkellern lassen. Denn das geht ja. Ich pfeif auf hohes Grundwasser, Hauptsache ich kann in meinen 4 Wänden noch mal eine Temperatur unter 27 Grad erreichen. Ich bin einfach ein Dezemberkind. Doch all das hat mich aber doch nicht davon abgehalten am heißesten Tag des Jahres, also Samstag, um kurz vor neun einfach loszulaufen. Damit ich meine dritte Trainingseinheit für diese Woche verwirkliche. Passend zum Viertelfinalspiel Deutschland gegen Argentinien ganz in schwarz und weiß gekleidet lief ich los. Und als Beiwagen fuhr wieder meine Tochter mit ihrem Fahrrad neben mir. Oder auch mal vor mir, als "Zugmaschine". Auf dem Gepäckträger eine Tasche mit Trinkflaschen. Später an diesem Tag konnte ich fast nicht mehr so richtig glauben, dass ich wirklich gelaufen war. Schon gar nicht als ich mich langsam in die Badewanne mit eiskaltem Wasser gleiten ließ. Aber auch beim Lauf am heißesten Tag des Jahres macht der "Fahrt" - Windhauch es nicht gar so schlimm. Ich hangelte mich von Schatten zu Schatten und das letzte Stück neben der Straße in der prallen Sonne meisterten wir gemeinsam bis zum Ortsschild. Wenn ich im Training schnelle und lange Intervalle trainiere, kann ich doch ruhig auch mal bei etwas extremer Witterung laufen. Deshalb mache ich ja auch eine "Draußen" - Sportart und sitze nicht in der Bude und stemme Gewichte. Das mache ich höchstens mal zusätzlich, wenn ich Lust dazu habe. Das ist doch gut, diese Hitze mal zu erleben. Dann weiß man schon mal, wie sich das anfühlt. Falls bei einem Wettkampf eben nicht dieses in den Knochen ziehende kalte Wetter ist. Oder dieses angenehme 15 Grad-Laufwetter. Falls es einfach mal heiß ist. So richtig dampfend heiß. Denn wenn Wettkampf ist, dann laufe ich mit. Nur Kranksein oder eine Verletzung halten mich ab. Und jetzt kann ich mich auch wieder reinhängen, ich habe meine Krankheitspause von zwei Wochen abgeschüttelt. Und bin am heißesten Tag des Jahres eine Stunde gelaufen.

Von Low auf High in 75 Minuten (17.05.2010)

Endlich wollte ich es wagen und die Stunde knacken. Laut Plan waren 60-75 Minuten Laufen angesagt, nur reichte dafür meine Landstraßenrunde nicht aus. Ich peilte eine umfangreichere Drei-Dörfer-Tour an. Ich schnappte mir meine Tochter und sie stieg kräftig mit ihren kleinen aber drahtigen Beinen in die Pedale ihres rotblauen Puky-Rades. Zur Entspannung schleppte ich jetzt nicht mehr den unhandlichen Discman mit mir herum, sondern irgendwo in meinem Shirt baumelte der winzige MP3-Player. Wenn ich nicht zügig ausschritt, rannte ich auch mal ein paar Meter und schob dabei das Fahrrad meiner Tochter. Das war zwar etwas gewöhnungsbedürftig, aber man muss seinen Trainingspartner eben immer bei Laune halten. Und der weiche sandige Waldboden war nun wirklich nicht geeignet für das kleine Puky-Fahrrad. Nach über einer Stunde, während wir beide uns flott bewegten, erreichten wir den Feldweg und so den letzten Kilometer. Und während Agneta "Thank you for the music" in meine Ohren trällerte, überrollte es mich. Gänsehaut von oben bis unten, am Kopf fühlte es sich so an, als würde sich meine Schirmmütze von alleine lüften. Lag es an der Musik oder am Laufen? Oder an dem Bewusstsein, bald das traute Heim zu erreichen? Wahrscheinlich von allem etwas. War das dieser sagenumwobene "runners high"? Bestimmt, schließlich war ich auch schon gut über eine Stunde gelaufen. Beim nächsten Lauf dachte ich dann an die nächste Woche. Mein erster 10 km Lauf in dieser Saison steht an. Und schon überkam mich ein Kribbeln, das aber diesmal eher innerlich wirkte. Das leichte Lampenfieber stellte sich prompt ein, ein kleiner Adrenalinschubs und Pulsanstieg. Ich hatte an das letzte Mal gedacht, das war der allererste Wettkamplauf meines Lebens gewesen. Mal abgesehen von Läufen in der Schulzeit. Sogar zum kurzen Quatschen mit Uta hatte ich noch Zeit und Luft gehabt. Doch was hatte Trainer André noch gesagt: "Unterhalten kannst du dich dann nicht, du musst Gas geben und denkst dann die ganze Zeit "Warum mache ich das hier bloß?" Und dann wirst du auch schneller und knackst die Stunde." Ja, das könnte schon klappen. Was ich aber auf jeden Fall weiß, ist, dass sich - wenn alles klappt - in Meinersen ein Hochgefühl in weniger als einer Stunde einstellen wird. Runner's High hin oder her. So ein Wettlauf an sich ist schon Hochspannung und Hochgefühl genug.

Nur die harten Fakten (09.04.2010)

Irgendwie bereitet es mir noch etwas Schwierigkeiten meine Arme schön neben der Tastatur zu halten. Sind wohl leicht geschwächt. Aber warum bloß? Schließlich bin ich ja heute nicht auf den Händen gelaufen. Sondern auf meinen wohl ummantelten Füßen. Lustig, gestern beim Training haben der ehemalige Marathon-Kolumnen-Mann und ich festgestellt, dass wir das gleiche Laufschuhmodell an unseren zarten Alabasterfüßen tragen. Und mit diesen ausgestattet düste ich heute mit vielen, vielen anderen nach Wolfsburg. Also, ne, schon im Auto. Mit gluckerndem Wasser im Bauch und möglichst wenig Stress im Kopf stand ich dann am Laufband bereit. Bereit zum Laufen und Blutabzapfen und Puls messen. Damit mein Trainerstab und ich meinen perfekten Pulsschlag für mein Training herausfinden. Mit irgendwelchen Pi mal Daumen Werten des Pulsschlages kann man nicht gut trainieren. Also, trainieren schon, aber nicht effektiv. Der richtige Puls fürs Laufen wird nicht nur durch Alter oder Geschlecht bestimmt, auch Größe und Gewicht haben einen Einfluss. Sicher auch die familiäre Vorbelastung, also die genetische Veranlagung. Der optimale Puls ist also einfach ganz individuell. Und wenn ich weiß, wo meine drei optimalen Werte für den lockeren, den zügigen und den komplett engagierten Puls liegen, dann kann ich am effektivsten trainieren. In einigen Tagen werde ich dann das Diagramm vor mir haben. Das Ergebnis meiner Leistungsdiagnose. Dann weiß ich die Fakten, die richtig harten Fakten, schwarz auf weiß. Meine Höchstgeschwindigkeit mit dazugehörigem Höchst-Pulswert, meine anaerobe Schwelle (gemessen wird neben der Geschwindigkeit und dem Puls auch der Lactat-Wert im Blut) und die drei optimalen Pulswerte, die ich zum Trainieren brauche. GA1 (Grundlagenausdauer 1): Trainer André führte jüngst eindrucksvoll vor, was GA1 bedeutet, locker laufen mit der Möglichkeit zum Gespräch mit Laufnachbarn. Doch nicht zu verwechseln mit dem beim Gruppen-Training sehr beliebten "Stehlauf". Dann käme im Intervalltraining eine kürzere Strecke im GA2-Bereich (Grundlagenausdauer 2). Da schlägt dann das Herz etwas schneller, aus dem lockeren Gespräch mit dem Laufnachbarn wird eine etwas abgehetzt wirkende rudimentäre Unterhaltung. Und dann gibt es noch die ganz flotte Variante, die wettkampfspezifische Ausdauer (WSA). Komisch, einen WSA-Dialog hat André uns gar nicht plastisch dargestellt. Klar, geht ja auch nicht. Das muss so ähnlich sein wie bei mir heute auf dem Laufband, als ich irgendwie das Geplauder mit Gerald einfach nicht mehr aufrechterhalten wollte. Fehlt dann doch die Luft. Und nach diesem ganzen Gefachsimpel freue ich mich aufs Wochenend-Training. Und darüber, dass meine absolute Höchstgeschwindigkeit jetzt etwas höher ist als beim Test im letzten Jahr. Wer schneller laufen will, muss also auch schnell laufen üben.

Halt mal die Füße still (02.03.2010)

Gestärkt durch die schnellen kurzen Einheiten auf dem ungefrorenen Asphalt des Parkplatzes fühlte ich mich bereit den Kampf mit meinem Trainingsplan endlich aufzunehmen. Der Trainingsplan und ich ziehen bei weitem noch nicht an einem Strang. Er behauptet ich müsse oder sollte in einer typischen Laufwoche 75 Minuten laufen, beim nächsten Mal ein schönes Intervallprogramm und dann noch mal locker 45 Minuten. Also das mit dem Intervall ist leider letztes Jahr an mir vorbeigegangen oder eher vorbeigelaufen. Da war ich irgendwie immer gerade in der Rekonvaleszenz oder bei den ersten Schritten nach der Verletzung. Und jetzt soll es schon wieder losgehen und ich muss doch überhaupt erstmal wieder richtig draußen laufen. Das geht ja jetzt wieder so richtig gut. Dachte ich auch letzten Samstag, als ich locker loslief Richtung Landstraße nach Didderse. Da hat es aber auch gepustet, das waren wohl bereits die Vorboten, nein, die Vorwehen von Xynthia. Machte aber nichts, schließlich war ich wohl gestimmt ob des Laufens. Da kann es mir noch so gegen die Stirn huschen, das macht gar nichts. Auf meinen Ohren kämpften die Windgeräusche gegen ein nettes, lustiges Hörbuch. Die Straße war frei, der Wind blies und ich lief. Doch dann beim Einbiegen auf den Feldweg überraschte es mich: Da war ja noch alles total vereist! Das war ein Schreck. Da hibbelte ich dann wieder vorsichtig über die Schollen und musste natürlich etwas im Tempo runterschalten. Das Eis nahm glücklicherweise wieder ab und ich düste auf freien Straßen nach Hause. Ungewiss meines langen Wegbleibens wegen empfing mich mein Mann direkt an der Tür und - zog mir sogar die Laufschuhe aus. Also so ein Service! Das hatte ich ja nun auch noch nie gehabt. Als ich dann in Richtung Dusche schritt, merkte ich: Das war vielleicht doch ein paar Minuten zu viel. Nach so spärlichen Laufeinheiten in diesem noch fast frischen Jahr hätte ich die ganze Stunde noch nicht anpeilen sollen. Autsch in der linken Wade. Tapfer griff ich nach der Pferdesalbe und legte selbst ein bisschen Hand an, um die Muskeln zu lockern. Das war schon mal nicht schlecht. Aber ich hätte einfach etwas früher die Füße still halten sollen. Das mache ich jetzt mal, dann geht es am Donnerstag wieder richtig los.

Das letzte Paar Laufschuhe (19.02.2010)

Und dabei war ich erst das zweite Mal hier, um mir Laufschuhe zu kaufen. In diesem kleinen schmucken Laufschuh-Geschäft im Magniviertel. Mit den Verkäufern, die sich auskennen. In dem ich draußen mit den Schuhen Probe laufen darf. In dem ich die neuen Schuhe nach ein paar Tagen, wenn sie doch irgendwie nicht das richtige sind, zurückgeben kann. Weil ich ja immer so knapp zum Training komme und André wahrscheinlich genau um fünf vor sechs von dem Räumungsverkauf des Laufshops erzählt hatte, war es nicht sofort zu mir durchgedrungen. Meine Freundin Kerstin erzählte es mir später. Und dann grapschte ich schnell meine beiden Geburtstags-Gutscheine zusammen und düste los. Das tat mir auch schon fast wieder leid, dass ich nun auch noch mit ollen Gutscheinen kam, und wenigstens zum Schluss nicht noch mit etwas Wahrem, Barem dienen konnte. Und da stand ich dann. Kinder in Kindergarten und Schule abgegeben, Mann bei der Arbeit, das Auto und ich in der Stadt und ich stand vor der Tür. Ach, nur noch nachmittags geöffnet. Ach so, ja, dann. Wieder raus aus der Stadt in die schöne Peripherie. Als ich beim zweiten Versuch abends die Tür zum Laufshop öffnen konnte, stolperte ich fast. Klar, ja, kein Laufband mehr, keine Videoanalyse. Keiner der mir sagt, dass ich einen Schuh brauche, der mein leichtes Nach-Innen Kippen des Fußes auffängt. Keiner, der sofort anhand meiner Beine und Füße mein Trainingspensum erkennt. Aber leider ist das nicht mehr möglich. So ist es eben kurz vor Schluss, alles muss raus. Und zuerst fliegt die Top-Videoanalyse-Ausrüstung. Dem trotzdem netten Mann erklärte ich, welchen Schuh ich trage. Und prompt überreichte er mir ein ähnliches Modell. "Französische Marke?" fragte ich. Nein, das sei ein amerikanisches Fabrikat, aber es stamme aus einer Gegend an einem schönen, schnellen Fluss mit indianischem Namen. Und daher dieser Markenname. Ist das nicht beeindruckend? Was die da alles wissen. Im Laufshop. Man muss dem Abschied ins Auge sehen. Mit meinem quietschorangenen Karton unter dem Arm - ich habe jetzt doch das zweite Paar genommen, das irgendwie so leicht am Fuß sitzt - ging ich schnellen Schrittes von dannen. In einem Auge eine kleine Träne. Und einem Lächeln auf den Lippen. Denn wenn man durch den Zieleinlauf kommt, der Lauf unweigerlich zu Ende ist, dann heißt es: Auf zu neuen Taten!

Wo ist sie hin? (31.01.2010)

Eben gerade hatte ich sie doch noch, beim Lauf in Magdeburg, als ich am Ende der 13 km Strecke noch einen kleinen Spurt hinlegte. Doch heute war sie wie vom Erdboden verschluckt. Oder unter Eiskruste und Schneegriesel versteckt. War sie vielleicht in unserem Garten unter der dicken Schneewehe einfach dick und faul liegen geblieben? Wer? Na, meine Kondition natürlich! Ich habe sie heute sehr, sehr vermisst. Ich habe den ersten Lauf des Jahres gewagt nachdem meine Halsschmerzen endlich verschwunden waren. Lange genug hat es ja wirklich gedauert. Aber jetzt soll es wieder losgehen. Und nachdem ich schon fleißig auf der Matte geturnt hatte, um wenigstens meinen Rumpf in Schuss zu halten, und ein paar nette halbe Stunden auf dem kleinen Trampolin auf der Stelle gejoggt war, musste ich einfach raus. Ja, etwas frisch ist es ja noch. Länger als eine halbe Stunde wollte ich jetzt auch noch nicht riskieren, aber es ging, es lief. Etwas unbeholfen auf den Eiskrusten und Schneehäufchen sah es bestimmt aus, aber mein endlich wieder laufender Körper freute sich äußerlich und innerlich. Meine Weihnachts-CD, die noch in meinem Discman steckte, tat bestimmt das Übrige. Weiße Winterlandschaft, Weihnachtsstimmung und wonne-erfüllte Wadenmuskeln. Doch nach den ersten Schritten schien meine innere Stimme zu meckern:"Was soll denn das jetzt? Mann, bleib stehen, du merkst doch, dass es anstrengend ist. Lass es einfach gut sein, du warst zu lange krank. Jetzt hör doch auf so zu tun, als wärst du sportlich!!" Ich hörte natürlich - fast - gar nicht auf diesen inneren Schweinehund und lief weiter. Und nach kürzester Zeit war er schon wieder völlig verstummt, stattdessen breitete sich eine wohlige Gänsehaut aus und ein - wirklich - weihnachtliches Gefühl. Denn wenn ich laufe ist bei mir Weihnachten. Mit oder ohne Top-Kondition, das ist mir doch ganz egal. Ich muss mich jetzt natürlich erst wieder einlaufen, aber ich weiß doch, dass es bald wieder besser geht, und der Schweinehund wird auswandern. Vielleicht zu jemand anderem, der ihm wirklich zuhört. Ich höre einfach meine Weihnachts-CD weiter. Solange alles verschneit ist und ich zum Laufen Handschuhe tragen muss ist das doch sehr passend.

Lass uns mal so richtig "auf die Rolle gehen" (14.01.2010)

Was ist nun wieder? Werden etwa alle guten Vorsätze für das neue Jahr wie Kölner Karnevals Kamelle bereitwillig über Bord geworfen? Stattdessen geht es auf die Rolle, auf die Piste, ins Nachtleben? Und wie soll mich das dann zu meinem Halbmarathon bringen? Nein mit "auf die Rolle gehen" ist nichts Lustiges, Aufregendes und auch nichts Spannendes gemeint. Die Feiertage sind vorbei, die Luftschlangen liegen nur noch in kleinen Fetzen auf dem Laminat und der Weihnachtsbaum wartet auf der verschneiten Terrasse auf seine letzte Reise. Aber die Wege, die Witterung und überhaupt: das ganze Ambiente draußen ist zwar schön, aber nicht so richtig prickelnd zum Laufen geeignet. Also schlägt uns der Physiotherapeut unseres Vertrauens vor, dass wir mal schön auf dem Ergometer radeln und - wenn vorhanden - mal auf das Laufband springen und da so vor uns hin laufen. Obwohl das ja doch ziemlich "stink langweilig" sei. Doch wer möchte schon un-fit werden, aus dem Lauf rauskommen, also aus dem laufenden Trainingsplan. Und damit wir tapfer weitermachen auf dem Weg zu unserem Ziel - in meinem Fall ist das ja der Halbmarathon - dann können wir auch ein bisschen auf die Rolle gehen. Das Rad auf das Rollengestell montieren und dann im Keller einfach gegen die Wand fahren. Ja, ich muss zugeben, so auf der Rolle zu rotieren ist schon etwas eintönig. Das habe ich nämlich schon mal ausprobiert. Es war aber leider noch nicht mal meine Rolle, mitnichten war es mein Rad mit den ulkigen "Klick-dich-einfach-drauf" Schuhen. Und damit ist nicht der virtuelle Klick gemeint. Sondern diese Schuhe, mit denen man wahrscheinlich nicht einen Schritt gehen oder gar laufen kann. Diese Schuhe, die einfach nur dazu da sind, um sie in die Pedale zu klicken. Komisch, diese Pedale sehen auch nicht wirklich so aus, als ob man damit Fahrrad fahren könnte. Aber diese eigenartigen Pedale zusammen mit diesen unbegehbaren Schuhen passen einfach perfekt zusammen. Wenn ich dann ohne mich auch nur einen winzigen Millimeter von der Stelle zu bewegen - das ist ja erstmal gewöhnungsbedürftig für mich - die Sportlerin (selbst erfüllende Prophezeiung) - so richtig in die Pedalen trete, dann klappt das bestimmt mit dem Wintertraining. Muss wohl doch bald wieder unseren Freund besuchen und mal wieder so richtig auf die Rolle gehen. Vielleicht einen kleinen Film mit dem Videobeamer auf die weiße Wand schmeißen? Da hätte ich auch eine Idee: Die DVD "Besser laufen".

Training trotz Schietwetter (11.12.2009)

"Es tröpfelt, es tröpfelt, es regnet, es regnet, es gießt, es gießt" heißt es in einem Fingerspiel für kleine Zwerge und jung gebliebene Eltern. Das hätten wir auch einfach als dicke fette blinkende Überschrift über den gestrigen Donnerstag pinnen können. Trotzdem düste ich durch die monumentalen Pfützen zum Training. Obwohl gar kein Laufwetter war. Das hätte André ja auch mal früher sagen können. Aber sofern nicht die komplette A2 oder die Hamburger Straße mit einer fingerdicken Eisschicht bedeckt sind, oder halb Braunschweig von Schneewehen bedeckt, dann findet Training immer statt. So auch gestern. Und damit wir nicht Schwimmflossen ansetzten liefen wir nicht um den Ölper See, sondern blieben einfach unter der Brücke, liefen ein bisschen im Kreis und vor- und rückwärts. Ich muss zugeben, dass ich trotz meines Hustens trainiert habe, und was soll ich sagen: Es geht mir nicht schlechter, sondern abgesehen vom Husten wieder viel besser. Weil ich nach einer Woche endlich wieder gelaufen bin. Strahlend kam ich richtig schön vorgewärmt im Brutraum des Reha-Zentrums an. Für den Donnerstagabend hat das zwar Spaß gemacht, aber so werde ich natürlich nicht gesund. Und wie soll ich dann mein Ziel erreichen? Meinen Halbmarathon nächstes Jahr? Ich muss die goldenen Marathonregeln wieder beherzigen. Meinen ollen Husten auskurieren. Verflixter Ferkelhusten. Ich lasse also meine Laufschuhe wieder mal im Schrank. Aber vielleicht laufe ich bald ein ganz, ganz winziges kleines bisschen und zwar im Laufladen meines Vertrauens auf dem Laufband. Und dann kann ich mir schön lecker neue Laufschuhe aussuchen. Die sind wieder von lieben Nachbarn, Freunden und Bekannten gesponsert. Zum Geburtstag hätte ich mir fast lieber Gesundheit gewünscht, sammelte stattdessen aber ein paar bunte Scheinchen. Wie ich wieder gesunde weiß ich ja auch eigentlich. Und das werde ich jetzt auch werden. Ich werde pausieren, und zwar richtig. Und dann werden sie da stehen auf einem Ehrenplatz, neu, glänzend, strahlend. Meine neuen Laufschuhe. Und die Vorfreude auf den nächsten Lauf wird riesig und unermesslich sein.

Blitzschnelle Leere im Kopf (26.11.2009)

Alles ist leer, ich habe keine Gedanken. Ich bin total befreit vom Gedankenramsch. Und wem oder was habe ich das zu verdanken? Der Steigerung und der Nachbereitung. Klingt ja ganz schön trocken und eigentlich auch nicht sehr spannend. Aber es ist total angenehm, schnell laufen, schnell ins Schwitzen kommen. Und vor allem ist auch der Kopf blitzschnell leer, also nicht komplett, aber die Füße müssen schon ganz schön flitzen und der Rest des Bewegungsapparates kommt richtig in Wallung. Und dann ist kein Platz und keine Graue Zellen- Energie mehr da, nicht einmal für den kleinsten Mini-Gedanken, der einen zum Straucheln bringen könnte. Ein paar schnelle Einheiten im Trainingslauf können richtig zufrieden machen. Doch das Auslaufen nach dem letzten kleinen Schnell-Lauf sollten wir weglassen. Und warum? Damit sich der Körper die Abläufe merkt, die gesteigerte Technik, den stärkeren Kniehub, die besondere Anstrengung. Er merkt sich das doch im Gehirn, oder? Wie das schneller Laufen funktioniert. Klar, wo soll er sich das sonst hinschreiben? In die Kniekehle oder auf den Unterarm? Gut, wichtige Dinge lässt sich ja der eine oder andere Mensch auch schon mal auf den Unterarm oder auf das Bein tätowieren. Damit er nicht vergisst, in wen er verliebt ist, oder wie seine oder ihre Kinder heißen. Kann man ja auch machen. Aber die Maschinerie des Körpers merkt sich die "So-laufe-ich-schnell-Technik" bestimmt nicht auf diese Art. Sondern im Gehirn. Erst wird alles in die Beine gepumpt, schneller und schneller knallen die gebeutelten Laufschuhsohlen auf den unnachgiebigen Asphalt, und schwupps wird im Gehirn aufgeräumt. Störende Gedanken sind wie weggewischt, so zum Beispiel "Muss ich nach dem Training noch irgendetwas einkaufen?" oder "Habe ich die richtige Armtechnik?" oder die Frage, die irgendwie immer wieder aufkommt "Wie sieht eigentlich mein Hintern aus, wenn ich laufe?" Und das Gehirn ist bereit für die neuen Bites "So müssen die Beine machen, so musst du die Arme bewegen und dann wirst du richtig schnell!" Also freuen sich nicht nur meine Muskeln auf die neuen Herausforderungen beim nächsten Training, sondern auch die eine oder andere Gehirnzelle, die sich gierig mit neuem Wissen füllen will. Und wenn der Kopf nach dem schnellen Laufen dann auch nicht so komplett leergefegt ist, dass ich nicht mehr weiß wer meine Lieben sind, oder wie meine Kinder heißen, dann muss ich mir doch keine Sorgen machen.

Laufen verbindet (12.11.2009)

Ob kurz, ob lang, groß oder klein. Wir sind doch alle gleich. Läufer auf dem Weg zum nächsten Ziel, zur nächsten Regenerationspause, zur nächsten Verpflegungsstation, zur nächsten Herausforderung. Und dass es dabei egal ist, ob wir lange oder kurze Beine haben, und große oder kleine Schritte machen, das bekamen wir beim letzten Training zu spüren. Wir haben uns zusammengerottet, mit so kleinen schwarzen Gummibändern fügten wir uns zu Zweierpaaren zusammen und liefen dahin. In welchem Rhythmus? In unserem eigenen, individuellen, den wir im letzten Jahr so emsig verfeinert hatten wohl kaum. Irgendwie liefen wir auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner, und nach ein bisschen Gezappel, Gekicher und Gestrauchel klappte es. Ich möchte mal zwei Dinge wissen, ob Trainerin Dagmar wirklich ein Band gegen drei erfrischende Biere eintauschen kann, und ob sie irgendwie familiäre Kontakte zu einer Weichstoff-Fabrik hat. Denn wo hat sie die sonst auf einmal her? Diese kleinen, harmlos scheinenden schwarzen Gummibänder. Nach dem Paarlauf wurden es dann immer größere Läuferzusammenrottungen. Am Ende liefen wir in drei Reihen zu je drei Menschen, also in einem Pulk von neun Läufern irgendwie in einem kuriosen Gleichschritt Richtung Autobahnbrücke. Eigenartig war nur, dass in diesen paar Minuten kein einziger Radfahrer oder Passant vorbeikam. Es kann natürlich auch sein, dass jemand, der bei uns vorbei wollte, spontan einen völlig anderen Weg gewählt hat.
Was denkt man, wenn man so eine Gruppe von Menschen sieht, alle sind zusammengebunden, und das ganze Monstrum ist auch noch in Bewegung und läuft. Ich denke, es ist gar nicht so abwegig, dann rechtzeitig einen anderen Weg einzuschlagen. Trainer André war auch wie so oft erstaunt darüber, was erwachsene Menschen so mit sich machen lassen. Klar, das war irgendwie gewöhnungsbedürftig, aber hey, es hat doch auch Spaß gemacht. Einsam liege ich dann auf der hübschen Gummimatte im Raum der Wahrheit. Raum der Wahrheit - oder Gymnastikraum, hier bleibt jedenfalls nichts mehr verborgen. Spätestens bei den Liegestützen auf dem Ball merkt man selber, oder schlimmstenfalls der Trainer, ob man fit ist oder nicht. Oder ob es Schwierigkeiten und Schweißausbrüche bereitet, ca. dreißig, nee ich glaube es waren mehr, Situps zu machen. Oder zählt man die nicht so, wenn man sich zwischendurch ablegt? Oder man kommt nicht weit genug hoch, weil sich das Bauchfett zu riesigen Wellen hoch bauscht. Wie komme ich jetzt eigentlich darauf? Wir sind doch alle schon viel viel fitter geworden in diesem letzten Jahr INTRO Training. Und das Bauchfett muss man fast mit der Lupe suchen. Darüber freue ich mich besonders, denn dann kann ich bei der INTRO Abschlussfete am Samstag meine Hose zum Stehen anziehen. (Das ist normalerweise eine enge Jeans, die so eng ist, und so weit unten sitzt, dass man damit eben nur stehen kann.) Aber keine Angst, ich kann mich unfallfrei damit hinsetzen. Mal sehen, ob ich noch ein Gummiband in meiner Jackentasche finde, und das am Samstag bei Dagmar gegen drei Bier eintauschen kann. Wo wir gerade beim Bauchspeck waren: Es gibt natürlich auch ganz leckeres, schmackhaftes Bier ohne Alkohol, nee ist klar!

Stelldichein am Eintracht Stadion (29.10.2008)

Wer wollte sich nicht schon einmal so fühlen? Schwitzend und ächzend im ständigen auf und ab auf einer schönen Treppe. Und immer schön gerade halten. Ob man dabei nun eine Melone trägt oder nicht. Wie Baby aus Dirty Dancing. Die hat doch auch fleißig trainiert. Für den einen wichtigen Tanz! Den einen Abend an dem alles würde stimmen müssen. Die Körperhaltung, das Timing, die Koordination und die Fitness. Alle Sehnen, Muskeln, Fasern des gesamten Körpers abgestimmt und getunt auf diesen einen Moment. Gut, wir wollen nicht unbedingt tanzen. Na ja, doch vielleicht. Nach dem erfolgreich absolvierten Halbmarathon. Das ist mein Ziel bis zum Sommer 2010. Und deshalb habe ich mich wieder den Laufexperten anvertraut. Das heutige Training gestaltete sich sehr abwechslungsreich. Leider wurde aus unbestimmten Gründen nichts aus dem Freundschaftsspiel zwischen uns, der INTRO Laufgruppe und den Eintracht Braunschweig Kickern. Obwohl so ein Fußball Stadion auch eine gewisse Atmosphäre hat, abends im leichten Nebel mit eingeschaltetem Flutlicht. Ich sah mich schon in Jürgen Klinsmann Vorderfußtechnik im gleißenden Licht im Strafraum auf der Jagd nach der tödlichen Flanke laufen. Endlich würde ich von richtigen Fußballtrainern entdeckt werden. Vielleicht wäre das noch eine denkbare Karriere für mich. Oder, ich muss mal kurz überlegen. Nein, ich glaube ich bleibe doch beim Laufen. Denn nur hier kann ich auf einem Bein rückwürts ungefähr siebzehn Stufen hinaufspringen. Schön auch der an einen Tanz erinnernde dreimal und auf der nächsten Stufe dann viermal auftippende Fuß. Wo kann ich sonst so etwas trainieren. Ohne schief angeschaut zu werden. Und vor allen Dingen: Ich bin nicht allein dabei. Andere durchaus erwachsene Menschen tun ohne Scham und Scheu das gleiche wie ich. Sie gehen sogar rückwärts mit geschlossenen Augen viele Treppenstufen hinauf. Aber warum das alles? Koordinationstraining, die gesamte Beinmuskulatur muss sich auf die kleine Trittfläche einstellen und der gesamte Rumpf muss dabei den Körper ausbalancieren. Ist doch prima fürs Laufen. Ich denke auch, dass kein Team von der versteckten Kamera dabei war, denn die hätten sich ja dann irgendwann zu erkennen gegeben. Nein, das war einfach ein Beispiel für kreative Trainingsgestaltung und Abwechslung für die Läufer, die normalerweise einfach nur geradeaus laufen. Ich bin schon gespannt auf den Muskelkater morgen früh. Mal sehen, ob es doch noch ein paar kleine Ecken und Winkel in meinen Füßen oder Waden oder anderen Nischen des Körpers gibt, die ich noch nicht ausreichend gedehnt und trainiert habe. Und beim nächsten Training joggen wir dann nach Wolfsburg, boxen gegen die Eishockeymannschaft und laufen dann rückwärts nach Braunschweig zurück. Zu unseren altbekannten Gefilden, dem Reha-Zentrum und der kuscheligen Tangenten Autobahnbrücke.

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