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Die Kolumne
Uns bleibt immer noch Wolfsburg (19.08.2010)Schau nach unten auf das kleine Stück, das direkt vor deinen Füßen liegt. Ja, das habe ich getan, ich habe meinen Blick und meine Konzentration auf das nahe liegende fokussiert. Und dann bin ich wieder gelaufen. Das ist an sich nichts Aufsehen erregendes, auch wenn ich dies im Beisein meiner altbekannten Turbo-Renn-Schnecke Christa getan habe. (Ich darf sie so nennen, dieser Titel ist eine Auszeichnung und wird nur nach einem durchlaufenden und durchlittenen kompletten Marathon verliehen). Es war mal wieder ein kleiner Anfang, und was habe ich gezetert: "Ich habe Angst, ich kann nicht, ich will nicht!" Aber dann, weil ich eben nicht alleine war, und die anderen beim Training heute nach einigen verzagten Geh-Schritten dann doch auch mal so ganz langsam ins Laufen verfallen sind, lief ich eben auch. Voll ausgestattet mit dem typischen riesigen paranoiden Ohr, das immer ganz genau auf jede feinste Puls- und Gehwegerschütterung hört und den geneigten Läufer vor jedem ach so winzig kleinen Steinchen und jeder minimalen Unebenheit warnt. Irgendwann war dieses riesige Ohr dann aber einfach zugequatscht. Leider ließ dann - ob der Unterhaltung mit meiner Laufnachbarin - die flott dynamische im 90 Grad Winkel eingerastete hurtige Armtechnik zu wünschen übrig. Aber das war mir beinahe egal. Hauptsache ich bin wieder dabei. Ja, ich trainiere wieder. Nach einer 14-tägigen Pause. Ja, ich hatte eine Fußballerverletzung, cool, oder? Im Andenken an die WM schlenzte ich einen Ball lässig mit dem Innenrist durch die Beine meines Gegners. Und: der Ball ging ins Tor, ich gewann sogar das kleine Spiel auf dem Rasen im Garten. Aber leider musste ich mich dann erst mal schonen. Und so wird es nun nichts mit Wolfsburg. Aber: ich laufe wieder. Den Halbmarathon behalte ich trotzdem in diesem Jahr noch als Ziel. Denn wenn ich nun vorsichtig den Blick hebe, von dem kleinen Stück das direkt vor mir liegt, dann sehe ich da ganz hinten die Türme von Magdeburg. Und vielleicht, wenn alles gut geht, meinen ersten Halbmarathon. Toi!! Und dann, ja, eines fernen schönen Tages im leichten Dunst über dem Werk in dieser niedersächsischen Stadt mit den Schornsteinen wird es dann vielleicht noch wahr. Ein schöner entspannter Wettlauf in Wolfsburg. Uns bleibt immer noch Wolfsburg. Der heißeste Tag des Jahres (04.07.2010)Hoffentlich bleibt es auch der heißeste, womöglich sollen wir in diesem Jahr noch die 40 Grad Marke knacken? Dann bitte ohne mich. Dann muss ich doch noch mein Haus nachträglich unterkellern lassen. Denn das geht ja. Ich pfeif auf hohes Grundwasser, Hauptsache ich kann in meinen 4 Wänden noch mal eine Temperatur unter 27 Grad erreichen. Ich bin einfach ein Dezemberkind. Doch all das hat mich aber doch nicht davon abgehalten am heißesten Tag des Jahres, also Samstag, um kurz vor neun einfach loszulaufen. Damit ich meine dritte Trainingseinheit für diese Woche verwirkliche. Passend zum Viertelfinalspiel Deutschland gegen Argentinien ganz in schwarz und weiß gekleidet lief ich los. Und als Beiwagen fuhr wieder meine Tochter mit ihrem Fahrrad neben mir. Oder auch mal vor mir, als "Zugmaschine". Auf dem Gepäckträger eine Tasche mit Trinkflaschen. Später an diesem Tag konnte ich fast nicht mehr so richtig glauben, dass ich wirklich gelaufen war. Schon gar nicht als ich mich langsam in die Badewanne mit eiskaltem Wasser gleiten ließ. Aber auch beim Lauf am heißesten Tag des Jahres macht der "Fahrt" - Windhauch es nicht gar so schlimm. Ich hangelte mich von Schatten zu Schatten und das letzte Stück neben der Straße in der prallen Sonne meisterten wir gemeinsam bis zum Ortsschild. Wenn ich im Training schnelle und lange Intervalle trainiere, kann ich doch ruhig auch mal bei etwas extremer Witterung laufen. Deshalb mache ich ja auch eine "Draußen" - Sportart und sitze nicht in der Bude und stemme Gewichte. Das mache ich höchstens mal zusätzlich, wenn ich Lust dazu habe. Das ist doch gut, diese Hitze mal zu erleben. Dann weiß man schon mal, wie sich das anfühlt. Falls bei einem Wettkampf eben nicht dieses in den Knochen ziehende kalte Wetter ist. Oder dieses angenehme 15 Grad-Laufwetter. Falls es einfach mal heiß ist. So richtig dampfend heiß. Denn wenn Wettkampf ist, dann laufe ich mit. Nur Kranksein oder eine Verletzung halten mich ab. Und jetzt kann ich mich auch wieder reinhängen, ich habe meine Krankheitspause von zwei Wochen abgeschüttelt. Und bin am heißesten Tag des Jahres eine Stunde gelaufen. Von Low auf High in 75 Minuten (17.05.2010)Endlich wollte ich es wagen und die Stunde knacken. Laut Plan waren 60-75 Minuten Laufen angesagt, nur reichte dafür meine Landstraßenrunde nicht aus. Ich peilte eine umfangreichere Drei-Dörfer-Tour an. Ich schnappte mir meine Tochter und sie stieg kräftig mit ihren kleinen aber drahtigen Beinen in die Pedale ihres rotblauen Puky-Rades. Zur Entspannung schleppte ich jetzt nicht mehr den unhandlichen Discman mit mir herum, sondern irgendwo in meinem Shirt baumelte der winzige MP3-Player. Wenn ich nicht zügig ausschritt, rannte ich auch mal ein paar Meter und schob dabei das Fahrrad meiner Tochter. Das war zwar etwas gewöhnungsbedürftig, aber man muss seinen Trainingspartner eben immer bei Laune halten. Und der weiche sandige Waldboden war nun wirklich nicht geeignet für das kleine Puky-Fahrrad. Nach über einer Stunde, während wir beide uns flott bewegten, erreichten wir den Feldweg und so den letzten Kilometer. Und während Agneta "Thank you for the music" in meine Ohren trällerte, überrollte es mich. Gänsehaut von oben bis unten, am Kopf fühlte es sich so an, als würde sich meine Schirmmütze von alleine lüften. Lag es an der Musik oder am Laufen? Oder an dem Bewusstsein, bald das traute Heim zu erreichen? Wahrscheinlich von allem etwas. War das dieser sagenumwobene "runners high"? Bestimmt, schließlich war ich auch schon gut über eine Stunde gelaufen. Beim nächsten Lauf dachte ich dann an die nächste Woche. Mein erster 10 km Lauf in dieser Saison steht an. Und schon überkam mich ein Kribbeln, das aber diesmal eher innerlich wirkte. Das leichte Lampenfieber stellte sich prompt ein, ein kleiner Adrenalinschubs und Pulsanstieg. Ich hatte an das letzte Mal gedacht, das war der allererste Wettkamplauf meines Lebens gewesen. Mal abgesehen von Läufen in der Schulzeit. Sogar zum kurzen Quatschen mit Uta hatte ich noch Zeit und Luft gehabt. Doch was hatte Trainer André noch gesagt: "Unterhalten kannst du dich dann nicht, du musst Gas geben und denkst dann die ganze Zeit "Warum mache ich das hier bloß?" Und dann wirst du auch schneller und knackst die Stunde." Ja, das könnte schon klappen. Was ich aber auf jeden Fall weiß, ist, dass sich - wenn alles klappt - in Meinersen ein Hochgefühl in weniger als einer Stunde einstellen wird. Runner¹s high hin oder her. So ein Wettlauf an sich ist schon Hochspannung und Hochgefühl genug. Nur die harten Fakten (09.04.2010)Irgendwie bereitet es mir noch etwas Schwierigkeiten meine Arme schön neben der Tastatur zu halten. Sind wohl leicht geschwächt. Aber warum bloß? Schließlich bin ich ja heute nicht auf den Händen gelaufen. Sondern auf meinen wohl ummantelten Füßen. Lustig, gestern beim Training haben der ehemalige Marathon-Kolumnen-Mann und ich festgestellt, dass wir das gleiche Laufschuhmodell an unseren zarten Alabasterfüßen tragen. Und mit diesen ausgestattet düste ich heute mit vielen, vielen anderen nach Wolfsburg. Also, ne, schon im Auto. Mit gluckerndem Wasser im Bauch und möglichst wenig Stress im Kopf stand ich dann am Laufband bereit. Bereit zum Laufen und Blutabzapfen und Puls messen. Damit mein Trainerstab und ich meinen perfekten Pulsschlag für mein Training herausfinden. Mit irgendwelchen Pi mal Daumen Werten des Pulsschlages kann man nicht gut trainieren. Also, trainieren schon, aber nicht effektiv. Der richtige Puls fürs Laufen wird nicht nur durch Alter oder Geschlecht bestimmt, auch Größe und Gewicht haben einen Einfluss. Sicher auch die familiäre Vorbelastung, also die genetische Veranlagung. Der optimale Puls ist also einfach ganz individuell. Und wenn ich weiß, wo meine drei optimalen Werte für den lockeren, den zügigen und den komplett engagierten Puls liegen, dann kann ich am effektivsten trainieren. In einigen Tagen werde ich dann das Diagramm vor mir haben. Das Ergebnis meiner Leistungsdiagnose. Dann weiß ich die Fakten, die richtig harten Fakten, schwarz auf weiß. Meine Höchstgeschwindigkeit mit dazugehörigem Höchst-Pulswert, meine anaerobe Schwelle (gemessen wird neben der Geschwindigkeit und dem Puls auch der Lactat-Wert im Blut) und die drei optimalen Pulswerte, die ich zum Trainieren brauche. GA1 (Grundlagenausdauer 1): Trainer André führte jüngst eindrucksvoll vor, was GA1 bedeutet, locker laufen mit der Möglichkeit zum Gespräch mit Laufnachbarn. Doch nicht zu verwechseln mit dem beim Gruppen-Training sehr beliebten "Stehlauf". Dann käme im Intervalltraining eine kürzere Strecke im GA2-Bereich (Grundlagenausdauer 2). Da schlägt dann das Herz etwas schneller, aus dem lockeren Gespräch mit dem Laufnachbarn wird eine etwas abgehetzt wirkende rudimentäre Unterhaltung. Und dann gibt es noch die ganz flotte Variante, die wettkampfspezifische Ausdauer (WSA). Komisch, einen WSA-Dialog hat André uns gar nicht plastisch dargestellt. Klar, geht ja auch nicht. Das muss so ähnlich sein wie bei mir heute auf dem Laufband, als ich irgendwie das Geplauder mit Gerald einfach nicht mehr aufrechterhalten wollte. Fehlt dann doch die Luft. Und nach diesem ganzen Gefachsimpel freue ich mich aufs Wochenend-Training. Und darüber, dass meine absolute Höchstgeschwindigkeit jetzt etwas höher ist als beim Test im letzten Jahr. Wer schneller laufen will, muss also auch schnell laufen üben. Halt mal die Füße still (02.03.2010)Gestärkt durch die schnellen kurzen Einheiten auf dem ungefrorenen Asphalt des Parkplatzes fühlte ich mich bereit den Kampf mit meinem Trainingsplan endlich aufzunehmen. Der Trainingsplan und ich ziehen bei weitem noch nicht an einem Strang. Er behauptet ich müsse oder sollte in einer typischen Laufwoche 75 Minuten laufen, beim nächsten Mal ein schönes Intervallprogramm und dann noch mal locker 45 Minuten. Also das mit dem Intervall ist leider letztes Jahr an mir vorbeigegangen oder eher vorbeigelaufen. Da war ich irgendwie immer gerade in der Rekonvaleszenz oder bei den ersten Schritten nach der Verletzung. Und jetzt soll es schon wieder losgehen und ich muss doch überhaupt erstmal wieder richtig draußen laufen. Das geht ja jetzt wieder so richtig gut. Dachte ich auch letzten Samstag, als ich locker loslief Richtung Landstraße nach Didderse. Da hat es aber auch gepustet, das waren wohl bereits die Vorboten, nein, die Vorwehen von Xynthia. Machte aber nichts, schließlich war ich wohl gestimmt ob des Laufens. Da kann es mir noch so gegen die Stirn huschen, das macht gar nichts. Auf meinen Ohren kämpften die Windgeräusche gegen ein nettes, lustiges Hörbuch. Die Straße war frei, der Wind blies und ich lief. Doch dann beim Einbiegen auf den Feldweg überraschte es mich: Da war ja noch alles total vereist! Das war ein Schreck. Da hibbelte ich dann wieder vorsichtig über die Schollen und musste natürlich etwas im Tempo runterschalten. Das Eis nahm glücklicherweise wieder ab und ich düste auf freien Straßen nach Hause. Ungewiss meines langen Wegbleibens wegen empfing mich mein Mann direkt an der Tür und - zog mir sogar die Laufschuhe aus. Also so ein Service! Das hatte ich ja nun auch noch nie gehabt. Als ich dann in Richtung Dusche schritt, merkte ich: Das war vielleicht doch ein paar Minuten zu viel. Nach so spärlichen Laufeinheiten in diesem noch fast frischen Jahr hätte ich die ganze Stunde noch nicht anpeilen sollen. Autsch in der linken Wade. Tapfer griff ich nach der Pferdesalbe und legte selbst ein bisschen Hand an, um die Muskeln zu lockern. Das war schon mal nicht schlecht. Aber ich hätte einfach etwas früher die Füße still halten sollen. Das mache ich jetzt mal, dann geht es am Donnerstag wieder richtig los. Das letzte Paar Laufschuhe (19.02.2010)Und dabei war ich erst das zweite Mal hier, um mir Laufschuhe zu kaufen. In diesem kleinen schmucken Laufschuh-Geschäft im Magniviertel. Mit den Verkäufern, die sich auskennen. In dem ich draußen mit den Schuhen Probe laufen darf. In dem ich die neuen Schuhe nach ein paar Tagen, wenn sie doch irgendwie nicht das richtige sind, zurückgeben kann. Weil ich ja immer so knapp zum Training komme und André wahrscheinlich genau um fünf vor sechs von dem Räumungsverkauf des Laufshops erzählt hatte, war es nicht sofort zu mir durchgedrungen. Meine Freundin Kerstin erzählte es mir später. Und dann grapschte ich schnell meine beiden Geburtstags-Gutscheine zusammen und düste los. Das tat mir auch schon fast wieder leid, dass ich nun auch noch mit ollen Gutscheinen kam, und wenigstens zum Schluss nicht noch mit etwas Wahrem, Barem dienen konnte. Und da stand ich dann. Kinder in Kindergarten und Schule abgegeben, Mann bei der Arbeit, das Auto und ich in der Stadt und ich stand vor der Tür. Ach, nur noch nachmittags geöffnet. Ach so, ja, dann. Wieder raus aus der Stadt in die schöne Peripherie. Als ich beim zweiten Versuch abends die Tür zum Laufshop öffnen konnte, stolperte ich fast. Klar, ja, kein Laufband mehr, keine Videoanalyse. Keiner der mir sagt, dass ich einen Schuh brauche, der mein leichtes Nach-Innen Kippen des Fußes auffängt. Keiner, der sofort anhand meiner Beine und Füße mein Trainingspensum erkennt. Aber leider ist das nicht mehr möglich. So ist es eben kurz vor Schluss, alles muss raus. Und zuerst fliegt die Top-Videoanalyse-Ausrüstung. Dem trotzdem netten Mann erklärte ich, welchen Schuh ich trage. Und prompt überreichte er mir ein ähnliches Modell. "Französische Marke?" fragte ich. Nein, das sei ein amerikanisches Fabrikat, aber es stamme aus einer Gegend an einem schönen, schnellen Fluss mit indianischem Namen. Und daher dieser Markenname. Ist das nicht beeindruckend? Was die da alles wissen. Im Laufshop. Man muss dem Abschied ins Auge sehen. Mit meinem quietschorangenen Karton unter dem Arm - ich habe jetzt doch das zweite Paar genommen, das irgendwie so leicht am Fuß sitzt - ging ich schnellen Schrittes von dannen. In einem Auge eine kleine Träne. Und einem Lächeln auf den Lippen. Denn wenn man durch den Zieleinlauf kommt, der Lauf unweigerlich zu Ende ist, dann heißt es: Auf zu neuen Taten! Wo ist sie hin? (31.01.2010)Eben gerade hatte ich sie doch noch, beim Lauf in Magdeburg, als ich am Ende der 13 km Strecke noch einen kleinen Spurt hinlegte. Doch heute war sie wie vom Erdboden verschluckt. Oder unter Eiskruste und Schneegriesel versteckt. War sie vielleicht in unserem Garten unter der dicken Schneewehe einfach dick und faul liegen geblieben? Wer? Na, meine Kondition natürlich! Ich habe sie heute sehr, sehr vermisst. Ich habe den ersten Lauf des Jahres gewagt nachdem meine Halsschmerzen endlich verschwunden waren. Lange genug hat es ja wirklich gedauert. Aber jetzt soll es wieder losgehen. Und nachdem ich schon fleißig auf der Matte geturnt hatte, um wenigstens meinen Rumpf in Schuss zu halten, und ein paar nette halbe Stunden auf dem kleinen Trampolin auf der Stelle gejoggt war, musste ich einfach raus. Ja, etwas frisch ist es ja noch. Länger als eine halbe Stunde wollte ich jetzt auch noch nicht riskieren, aber es ging, es lief. Etwas unbeholfen auf den Eiskrusten und Schneehäufchen sah es bestimmt aus, aber mein endlich wieder laufender Körper freute sich äußerlich und innerlich. Meine Weihnachts-CD, die noch in meinem Discman steckte, tat bestimmt das Übrige. Weiße Winterlandschaft, Weihnachtsstimmung und wonne-erfüllte Wadenmuskeln. Doch nach den ersten Schritten schien meine innere Stimme zu meckern:"Was soll denn das jetzt? Mann, bleib stehen, du merkst doch, dass es anstrengend ist. Lass es einfach gut sein, du warst zu lange krank. Jetzt hör doch auf so zu tun, als wärst du sportlich!!" Ich hörte natürlich - fast - gar nicht auf diesen inneren Schweinehund und lief weiter. Und nach kürzester Zeit war er schon wieder völlig verstummt, stattdessen breitete sich eine wohlige Gänsehaut aus und ein - wirklich - weihnachtliches Gefühl. Denn wenn ich laufe ist bei mir Weihnachten. Mit oder ohne Top-Kondition, das ist mir doch ganz egal. Ich muss mich jetzt natürlich erst wieder einlaufen, aber ich weiß doch, dass es bald wieder besser geht, und der Schweinehund wird auswandern. Vielleicht zu jemand anderem, der ihm wirklich zuhört. Ich höre einfach meine Weihnachts-CD weiter. Solange alles verschneit ist und ich zum Laufen Handschuhe tragen muss ist das doch sehr passend. Lass uns mal so richtig "auf die Rolle gehen" (14.01.2010)Was ist nun wieder? Werden etwa alle guten Vorsätze für das neue Jahr wie Kölner Karnevals Kamelle bereitwillig über Bord geworfen? Stattdessen geht es auf die Rolle, auf die Piste, ins Nachtleben? Und wie soll mich das dann zu meinem Halbmarathon bringen? Nein mit "auf die Rolle gehen" ist nichts Lustiges, Aufregendes und auch nichts Spannendes gemeint. Die Feiertage sind vorbei, die Luftschlangen liegen nur noch in kleinen Fetzen auf dem Laminat und der Weihnachtsbaum wartet auf der verschneiten Terrasse auf seine letzte Reise. Aber die Wege, die Witterung und überhaupt: das ganze Ambiente draußen ist zwar schön, aber nicht so richtig prickelnd zum Laufen geeignet. Also schlägt uns der Physiotherapeut unseres Vertrauens vor, dass wir mal schön auf dem Ergometer radeln und - wenn vorhanden - mal auf das Laufband springen und da so vor uns hin laufen. Obwohl das ja doch ziemlich "stink langweilig" sei. Doch wer möchte schon un-fit werden, aus dem Lauf rauskommen, also aus dem laufenden Trainingsplan. Und damit wir tapfer weitermachen auf dem Weg zu unserem Ziel - in meinem Fall ist das ja der Halbmarathon - dann können wir auch ein bisschen auf die Rolle gehen. Das Rad auf das Rollengestell montieren und dann im Keller einfach gegen die Wand fahren. Ja, ich muss zugeben, so auf der Rolle zu rotieren ist schon etwas eintönig. Das habe ich nämlich schon mal ausprobiert. Es war aber leider noch nicht mal meine Rolle, mitnichten war es mein Rad mit den ulkigen "Klick-dich-einfach-drauf" Schuhen. Und damit ist nicht der virtuelle Klick gemeint. Sondern diese Schuhe, mit denen man wahrscheinlich nicht einen Schritt gehen oder gar laufen kann. Diese Schuhe, die einfach nur dazu da sind, um sie in die Pedale zu klicken. Komisch, diese Pedale sehen auch nicht wirklich so aus, als ob man damit Fahrrad fahren könnte. Aber diese eigenartigen Pedale zusammen mit diesen unbegehbaren Schuhen passen einfach perfekt zusammen. Wenn ich dann ohne mich auch nur einen winzigen Millimeter von der Stelle zu bewegen - das ist ja erstmal gewöhnungsbedürftig für mich - die Sportlerin (selbst erfüllende Prophezeiung) - so richtig in die Pedalen trete, dann klappt das bestimmt mit dem Wintertraining. Muss wohl doch bald wieder unseren Freund besuchen und mal wieder so richtig auf die Rolle gehen. Vielleicht einen kleinen Film mit dem Videobeamer auf die weiße Wand schmeißen? Da hätte ich auch eine Idee: Die DVD "Besser laufen". Training trotz Schietwetter (11.12.2009)"Es tröpfelt, es tröpfelt, es regnet, es regnet, es gießt, es gießt" heißt es in einem Fingerspiel für kleine Zwerge und jung gebliebene Eltern. Das hätten wir auch einfach als dicke fette blinkende Überschrift über den gestrigen Donnerstag pinnen können. Trotzdem düste ich durch die monumentalen Pfützen zum Training. Obwohl gar kein Laufwetter war. Das hätte André ja auch mal früher sagen können. Aber sofern nicht die komplette A2 oder die Hamburger Straße mit einer fingerdicken Eisschicht bedeckt sind, oder halb Braunschweig von Schneewehen bedeckt, dann findet Training immer statt. So auch gestern. Und damit wir nicht Schwimmflossen ansetzten liefen wir nicht um den Ölper See, sondern blieben einfach unter der Brücke, liefen ein bisschen im Kreis und vor- und rückwärts. Ich muss zugeben, dass ich trotz meines Hustens trainiert habe, und was soll ich sagen: Es geht mir nicht schlechter, sondern abgesehen vom Husten wieder viel besser. Weil ich nach einer Woche endlich wieder gelaufen bin. Strahlend kam ich richtig schön vorgewärmt im Brutraum des Reha-Zentrums an. Für den Donnerstagabend hat das zwar Spaß gemacht, aber so werde ich natürlich nicht gesund. Und wie soll ich dann mein Ziel erreichen? Meinen Halbmarathon nächstes Jahr? Ich muss die goldenen Marathonregeln wieder beherzigen. Meinen ollen Husten auskurieren. Verflixter Ferkelhusten. Ich lasse also meine Laufschuhe wieder mal im Schrank. Aber vielleicht laufe ich bald ein ganz, ganz winziges kleines bisschen und zwar im Laufladen meines Vertrauens auf dem Laufband. Und dann kann ich mir schön lecker neue Laufschuhe aussuchen. Die sind wieder von lieben Nachbarn, Freunden und Bekannten gesponsert. Zum Geburtstag hätte ich mir fast lieber Gesundheit gewünscht, sammelte stattdessen aber ein paar bunte Scheinchen. Wie ich wieder gesunde weiß ich ja auch eigentlich. Und das werde ich jetzt auch werden. Ich werde pausieren, und zwar richtig. Und dann werden sie da stehen auf einem Ehrenplatz, neu, glänzend, strahlend. Meine neuen Laufschuhe. Und die Vorfreude auf den nächsten Lauf wird riesig und unermesslich sein. Blitzschnelle Leere im Kopf (26.11.2009)Alles ist leer, ich habe keine Gedanken. Ich bin total befreit vom Gedankenramsch. Und wem oder was habe ich das zu verdanken? Der Steigerung und der Nachbereitung. Klingt ja ganz schön trocken und eigentlich auch nicht sehr spannend. Aber es ist total angenehm, schnell laufen, schnell ins Schwitzen kommen. Und vor allem ist auch der Kopf blitzschnell leer, also nicht komplett, aber die Füße müssen schon ganz schön flitzen und der Rest des Bewegungsapparates kommt richtig in Wallung. Und dann ist kein Platz und keine Graue Zellen- Energie mehr da, nicht einmal für den kleinsten Mini-Gedanken, der einen zum Straucheln bringen könnte. Ein paar schnelle Einheiten im Trainingslauf können richtig zufrieden machen. Doch das Auslaufen nach dem letzten kleinen Schnell-Lauf sollten wir weglassen. Und warum? Damit sich der Körper die Abläufe merkt, die gesteigerte Technik, den stärkeren Kniehub, die besondere Anstrengung. Er merkt sich das doch im Gehirn, oder? Wie das schneller Laufen funktioniert. Klar, wo soll er sich das sonst hinschreiben? In die Kniekehle oder auf den Unterarm? Gut, wichtige Dinge lässt sich ja der eine oder andere Mensch auch schon mal auf den Unterarm oder auf das Bein tätowieren. Damit er nicht vergisst, in wen er verliebt ist, oder wie seine oder ihre Kinder heißen. Kann man ja auch machen. Aber die Maschinerie des Körpers merkt sich die "So-laufe-ich-schnell-Technik" bestimmt nicht auf diese Art. Sondern im Gehirn. Erst wird alles in die Beine gepumpt, schneller und schneller knallen die gebeutelten Laufschuhsohlen auf den unnachgiebigen Asphalt, und schwupps wird im Gehirn aufgeräumt. Störende Gedanken sind wie weggewischt, so zum Beispiel "Muss ich nach dem Training noch irgendetwas einkaufen?" oder "Habe ich die richtige Armtechnik?" oder die Frage, die irgendwie immer wieder aufkommt "Wie sieht eigentlich mein Hintern aus, wenn ich laufe?" Und das Gehirn ist bereit für die neuen Bites "So müssen die Beine machen, so musst du die Arme bewegen und dann wirst du richtig schnell!" Also freuen sich nicht nur meine Muskeln auf die neuen Herausforderungen beim nächsten Training, sondern auch die eine oder andere Gehirnzelle, die sich gierig mit neuem Wissen füllen will. Und wenn der Kopf nach dem schnellen Laufen dann auch nicht so komplett leergefegt ist, dass ich nicht mehr weiß wer meine Lieben sind, oder wie meine Kinder heißen, dann muss ich mir doch keine Sorgen machen. Laufen verbindet (12.11.2009)Ob kurz, ob lang, groß oder klein. Wir sind doch alle gleich. Läufer auf dem Weg zum nächsten Ziel, zur nächsten Regenerationspause, zur nächsten Verpflegungsstation, zur nächsten Herausforderung. Und dass es dabei egal ist, ob wir lange oder kurze Beine haben, und große oder kleine Schritte machen, das bekamen wir beim letzten Training zu spüren. Wir haben uns zusammengerottet, mit so kleinen schwarzen Gummibändern fügten wir uns zu Zweierpaaren zusammen und liefen dahin. In welchem Rhythmus? In unserem eigenen, individuellen, den wir im letzten Jahr so emsig verfeinert hatten wohl kaum. Irgendwie liefen wir auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner, und nach ein bisschen Gezappel, Gekicher und Gestrauchel klappte es. Ich möchte mal zwei Dinge wissen, ob Trainerin Dagmar wirklich ein Band gegen drei erfrischende Biere eintauschen kann, und ob sie irgendwie familiäre Kontakte zu einer Weichstoff-Fabrik hat. Denn wo hat sie die sonst auf einmal her? Diese kleinen, harmlos scheinenden schwarzen Gummibänder. Nach dem Paarlauf wurden es dann immer größere Läuferzusammenrottungen. Am Ende liefen wir in drei Reihen zu je drei Menschen, also in einem Pulk von neun Läufern irgendwie in einem kuriosen Gleichschritt Richtung Autobahnbrücke. Eigenartig war nur, dass in diesen paar Minuten kein einziger Radfahrer oder Passant vorbeikam. Es kann natürlich auch sein, dass jemand, der bei uns vorbei wollte, spontan einen völlig anderen Weg gewählt hat. Stelldichein am Eintracht Stadion (29.10.2008)Wer wollte sich nicht schon einmal so fühlen? Schwitzend und ächzend im ständigen auf und ab auf einer schönen Treppe. Und immer schön gerade halten. Ob man dabei nun eine Melone trägt oder nicht. Wie Baby aus Dirty Dancing. Die hat doch auch fleißig trainiert. Für den einen wichtigen Tanz! Den einen Abend an dem alles würde stimmen müssen. Die Körperhaltung, das Timing, die Koordination und die Fitness. Alle Sehnen, Muskeln, Fasern des gesamten Körpers abgestimmt und getunt auf diesen einen Moment. Gut, wir wollen nicht unbedingt tanzen. Na ja, doch vielleicht. Nach dem erfolgreich absolvierten Halbmarathon. Das ist mein Ziel bis zum Sommer 2010. Und deshalb habe ich mich wieder den Laufexperten anvertraut. Das heutige Training gestaltete sich sehr abwechslungsreich. Leider wurde aus unbestimmten Gründen nichts aus dem Freundschaftsspiel zwischen uns, der INTRO Laufgruppe und den Eintracht Braunschweig Kickern. Obwohl so ein Fußball Stadion auch eine gewisse Atmosphäre hat, abends im leichten Nebel mit eingeschaltetem Flutlicht. Ich sah mich schon in Jürgen Klinsmann Vorderfußtechnik im gleißenden Licht im Strafraum auf der Jagd nach der tödlichen Flanke laufen. Endlich würde ich von richtigen Fußballtrainern entdeckt werden. Vielleicht wäre das noch eine denkbare Karriere für mich. Oder, ich muss mal kurz überlegen. Nein, ich glaube ich bleibe doch beim Laufen. Denn nur hier kann ich auf einem Bein rückwürts ungefähr siebzehn Stufen hinaufspringen. Schön auch der an einen Tanz erinnernde dreimal und auf der nächsten Stufe dann viermal auftippende Fuß. Wo kann ich sonst so etwas trainieren. Ohne schief angeschaut zu werden. Und vor allen Dingen: Ich bin nicht allein dabei. Andere durchaus erwachsene Menschen tun ohne Scham und Scheu das gleiche wie ich. Sie gehen sogar rückwärts mit geschlossenen Augen viele Treppenstufen hinauf. Aber warum das alles? Koordinationstraining, die gesamte Beinmuskulatur muss sich auf die kleine Trittfläche einstellen und der gesamte Rumpf muss dabei den Körper ausbalancieren. Ist doch prima fürs Laufen. Ich denke auch, dass kein Team von der versteckten Kamera dabei war, denn die hätten sich ja dann irgendwann zu erkennen gegeben. Nein, das war einfach ein Beispiel für kreative Trainingsgestaltung und Abwechslung für die Läufer, die normalerweise einfach nur geradeaus laufen. Ich bin schon gespannt auf den Muskelkater morgen früh. Mal sehen, ob es doch noch ein paar kleine Ecken und Winkel in meinen Füßen oder Waden oder anderen Nischen des Körpers gibt, die ich noch nicht ausreichend gedehnt und trainiert habe. Und beim nächsten Training joggen wir dann nach Wolfsburg, boxen gegen die Eishockeymannschaft und laufen dann rückwärts nach Braunschweig zurück. Zu unseren altbekannten Gefilden, dem Reha-Zentrum und der kuscheligen Tangenten Autobahnbrücke. |
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